Heute war es dann wieder soweit, morgends um 6.30 Uhr lud die Firma:
Gewinnkarten Spezial
-Buchungsstelle-
Postfach 3702
31787 Hameln
zur großen Fasnachts-Rundreise ein. Klar, an Aschermittwoch ist Fasnacht vorbei, aber ich darf ja nicht kleinlich sein. Immerhin gab es wieder einen Ausflug gratis.
An der Bushaltestelle standen auch ein paar ältere Leute, teilweise dachte ich, die kenne ich doch, war mir aber nicht sicher. Plötzlich sprachen sie mich an - sie kannten meinen Vater und über diesen dann auch mich. Wir beschlossen einen wunderbare Tarnung - das Enkelkind wollte mitfahren, da es heute keine Schule habe. Ich sehe mit meinen 21 Jahren halt immer noch wie 16 aus...
Der Bus des Reiseunternehmens
Sonnenscheintours
Frankfurt/Main
war ein eher neueres Modell, das aber seine besten Zeiten sicherlich direkt nach der ersten Kaffeefahrt hinter sich hatte: Brandlöcher in den Sitzen, Flecken und ungeleerte Mülleimer...
Olli, der Busfahrer, erklärt uns nach der freundlichen Begrüssung als erstes, dass wir doch die Toilette nicht benutzen sollen: Die Spülung funktioniert nicht. Er würde gerne auch mal anhalten, wenns den sein müsste. Passend dazu unterhielt(?) er uns Witzchen, die weit unter der Gürtellinie angesiedelt waren.
Der Bus war mit knapp 30 Personen gut besetzt, ich habe mich gemütlich auf einen Sitz gechilled und gedöst. Die Fahrt ging nach Frankfurt - Nordweststadt, in eine Gemeindehalle/Veranstaltungshalle, anscheinend ohne Namen. Jedenfalls war kein Schild vorhanden.
An der Eingangstür standen zwei Gorrilas, die die "Eintrittsberechtigungskarte" entgegennahmen. Mich wollten sie zuerst nicht reinlassen, als meine "Tagesomi" mich aber als deren Enkel auswies, war alles in Ordnung. Ich durfte passieren. Die Dame humpelte mit ihrem Stock, also half ich ihr und wir setzten uns ganz ans Ende der langen Tischreihe. Wir waren scheinbar die erste Gruppe die ankam, in der folgenden Stunde kamen noch 3 weitere Reisegruppen. In dieser Halle standen vorne auf der Bühne ein paar Tische mit Plastikkästen und ein Herd. Dazu später mehr.
Die Gorillas kamen nach dem letzten Personen mit rein und schlossen die Flügeltüre. Vorne auf der Bühne trat ein Mann aus einer Seitentür. Er begann in sein Mikro zu nuscheln. Ich habe den Text mal übersetzt, die kursiven Teile habe ich eingesetzt, da man diese echt nicht richtig verstanden hat:
"Hallo liebe Gewinner bei dieser wundervollen Kaffeefahrt. Ich darf mich vorstellen: Ich bin der Michael, sie können mich auch gerne Michel nennen. Haha. Bevor Sie ihre Preise erhalten, möchte ich die Gelegenheit ergreifen ihnen unsere Sponsoren vorzustellen. Ihr nicht vorhandenes Geschenk habe ich sich sonstwohin gesteckt. Das tut mir wirklich sehr leid. Als ersatz bieten wir ihnen, liebe Opfer eine Mircowelle von Taunusstar..."
Nun startet der Verkauf und die Anpreisung der verschiedensten Waren:
Akkubohrer - Black & Dekker - 99¤
Bratpfannenset - Heumarn - 179¤
Topfset - Heumarn - 129¤
Elektrischer Grill - NoName - 79¤
Lypramed - Natural Apotheces - 829¤
Süssgraskapseln - Natural Apotheces - 59¤
Lachsölkapseln Natural Apotheces - 49¤
Quelle: http://www.kochmesser.de/archiv/05-1...ahrt_1245.htmlDabei schrecken die Veranstalter auch vor plumpen Erfindungen nicht zurück. So wurde auf einer Kaffeefahrt das Mittel „Lypramed“ verkauft, das den angeblich lebenswichtigen, körpereigenen Wirkstoff „Eprolin“ ersetze, der mit den Jahren abgebaut werde. Eprolin und Lypramed sind schlichtweg Phantasieprodukte. Nicht so der Preis: 1198 Euro kostete das vermeintliche Wundermittel. Auf Kaffeefahrten angebotene Mittel sind nie zugelassene Medikamente, denn diese dürfen in Deutschland nur in Apotheken verkauft werden.
Als die ältere Dame aufs Klo musste, stand ich ebenfalls auf und ging mit ihr aufs Klo, nur halt eine Tür weiter *g*. Das war insofern kein Problem, da die Gorillas auch die Raucher etc. aus dem Saal ließen.
Auf der Toilette habe ich dann wieder die Polizei angerufen, den Sachverhalt geschildert und um Rückruf gebeten. Dann ging es wieder brav zurück zum Tisch.
Dort angekommen, gab es erstmal was zu essen und zu trinken. Man hatte Packungen mit Salzstangen besorgt, den Inhalt in ein Saftglas gestellt. Zu trinken gab es Billig-Fanta und Kaffee. Auf jedem Platz lag nun ein Blatt - Papier: "Marktforschung - welche Markenprodukte nutzen sie täglich? Bitte teilen Sie uns ihren Tageslauf mit und nennen Sie uns alle Markenprodukte, die Sie nutzen."
Hmm, da wäre die Sache mit dem Frühstück: Margarine von Lätta etc.
Nach dem Mittagessen werden die kleinen Abschnitte eingesammelt, auf denen steht, was wir für leckere Sachen 'zum Mitnehmen' bekommen. Auch die Einladungen werden zur Bühne durchgereicht, sie werden für ein Gewinnspiel benötigt. Hier fällt mir endlich mal wieder etwas auf: Alle schriftlichen Belege werden eingesammelt, damit hinterher niemand beweisen kann, was auf der Einladung stand. Dumm nur, wenn man diese per Mailanhang auch gespeichert hat...
Dann ging die Tür auf und der arme Michael, der gerade anfing, die anfangs erwähnten Kisten mit dem Black & Dekker - Emblem zu öffnen, erblickte Polizisten und eine Frau vom Ordnungsamt Frankfurt. Auch ihm war schnell klar, das die wohl keinen Akkubohrer kaufen wollte. Er flüchte sich hinter die Bühne, wurde aber gleich daraufhin festgenommen. Eine Polizistin ging auf die Bühne, informierte die Senioren über das nun folgende Procedere - Annulierung der Kaufverträge und Auflösung der Kaffeefahrt. Sie fragte natürlich auch, wer denn den Tipp gegeben habe, das hier ein Wanderlager stattfände. Ich gab mich zu erkennen.
Die anschließende Diskussion über Antispam, Kaffeefahrten und Wanderlager wurde dann im Präsidium fortgesetzt. Was genau, außer meinen persönlichen Daten, die Polizei jetzt wollte, kann ich nicht sagen. eventuell könnte ich ein Zeuge für eine spätere Gerichtsverhandlung (Produktpiraterie -> Mail an B&D ist raus) sein, ich werde es merken. Nach einer halben Stunde erklärte mir ein Beamter, das ich nun gehen könne. Auf meine Frage hin, WO ich hingehen solle, stutze er. Er wusste scheinbar nicht, das ich mit einem Bus gekommen war und beriet sich mit einem Kollegen.
Das Ende vom Lied: Die netten, grünen Helfer haben mich in einem VW-Bus nach Wiesbaden gefahren, von dort konnte ich mittels meines Zivildienstausweises nach Mainz zurückfahren - natürlich kostenlos.
...Fortsetzung folgt... ...Part VI in Kürze...


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