"Schönrechnen"... ja, den Normal-Knipsern reichen eben die dadurch erzielbaren Ergebnisse völlig aus. Die haben auch keine Lust und keine Zeit, sich mit Bildverarbeitung auseinanderzusetzen. Etwa mit Programmen wie Lightroom oder Capture-1 etc., die aus den Bild-Rohdaten viel mehr rausholen können als die kamera-internen jpg-Konvertierer. Dabei können prinzipiell inzwischen fast alle besseren Handys auch raw-Bilddaten speichern - man muss es halt einstellen. Die raw-Daten haben eine höhere Bit-Tiefe (i.d.R. 12 bit stat 8 beim jpg...) und man kann damit z.B. viel mehr an Kontrast und Farbanpassung rausholen. Liegt das Bild dagegen schon in jpg vor, ist der Käs gegessen und man kann mit Nachverarbeitung nur noch in ganz engen Grenzen was machen. Z.B. geht "Pushen" (Aufhellen abgesoffener Tiefenbereiche) beim jpg so gut wie gar nicht, das rauscht sofort. Beim raw hat man dagegen einiges an Reserve.

Die Software der Handys ist inzwischen so geschickt, dass die Bilder mit automatischen Erkennungsmechanismen gezielt aufbereitet werden, womit Ergebnisse erzielt werden, mit denen eben der Normalverbraucher in den meisten Fällen zufrieden ist. Mal ehrlich: für die Feinheiten einer bestimmten Lichtstimmung haben die meisten auch gar nicht den Blick, ob da z.B. Tonwertabrisse drin sind etc., das sehen die gar nicht. Die wollen nur auf Malle die Tante Erna am Sangria-Tisch vor der Palme vor dem Hotel knipsen.
Die Handy-Software erkennt z.B. automatisch, ob ein Portrait gemacht werden soll (Augen-Erkennung). In dem Fall wird z.B. der Bildhintergrund automatisch selektiert weichgezeichnet, um so etwas ähnliches wie den sogenannten "Freistellungs-Effekt" teurer System-Kameras mit Portrait-Objektiven bei Offenblende hinzukriegen (nur die Bildebene des Gesichts ist scharf, der Hintergrund verschwimmt in Unschärfe, gezielter Einsatz der Schärfentiefe...). Die Ergebnisse reichen den Normal-Knipsern völlig aus.
Wenn dann die Abendstimmung am Hafen fotografiert wird, erkennt die Software automatisch: aha, Landschaft, und "available-light" Situation. Das Biest macht dann schnell hintereinander eine Serie von z.B. 5 Shots mit Belichtungsreihe, leichte Wackel-Verschiebungen zwischen den Shots werden automatisch mit Stitching korrigiert und das Bild wird in einem HDR zusammengerechnet. Damit wird das Rauschen gewaltig reduziert und ein erstaunlicher Kontrastumfang herausgeholt. Auch da sind die durch die Software erzielten Ergebnisse meistens erstaunlich gut, jedenfalls besser als was man mit einer normalen Kompaktkamera da rausholen könnte. Mit einer Systemkamera müsste man dann 5 raws aufnehmen und anschließend am PC ein HDR rechnen u.s.w. Ist halt alles ein Aufwand, und den wollen die Leute i.d.R. nicht treiben.

Mit den technischen Grundlagen wollen die sich auch gar nicht auseinandersetzen. Dass ein 100-faches Zoom natürlich kein echtes optisches Zoom ist, sondern nur quasi durch "Ausschnitt-Vergrößerung" und anschließende Interpolation entsteht, wissen die nicht. Und dass dabei eben Auflösung verloren geht und das Ergebnis "matschig" wird, sehen sie erst beim Ausprobieren.
Waren sie vorher der guten Hoffnung, dass sie mit dem neuen Teil aus 30 m Entfernung den GV der Nachbarn abends durch die Gardine kristallklar fotografieren könnten, werden sie dann natürlich bitter enttäuscht. Nee, dat wird nix.

Eine verstellbare Blende brauchen die auch gar nicht. Durch die kleine Sensorgröße mit kleinem Abstand zwischen Linse und Sensor hat man sowieso auch bei Offenblende einen riesigen Schärfebereich. Die Dinger haben m.W. auch keinen Verschluss, d.h. die Belichtung wird mit "electronic shutter" beim Auslesen des Sensors geregelt. Gibt natürlich häßliche Artefakte bei gepulstem Licht (LED...) und bei bewegten Objekten.