Ich hab eine Postwurfsendung von denen bekommen, eine triviale Umfrage mit regionalem Bezug (Köln - die Verkannte am Rhein?); wahrscheinlich werden in anderen Regionen andere Themen verwendet.
Wie ich es geahnt habe:
- Zuerst bestellt man damit eine "mit echtem Feingold veredelte Jubiläumsprägung" (also wohl weder ganz aus Gold noch eine offizielle Münze) für 10€ mit einem behaupteten, späteren Preis von 49,95€.
- dann kriegt man im Kleingedruckten ein Abo für weitere "Jubiläumsprägungen", "aktuell 6 Stück", zum nicht genannten "Vorzugspreis" untergejubelt, die man "kostenlos" zurück senden kann. Wer ihn nicht übersieht, darf den Abschnitt gnädiger Weise streichen.
- und dann ist der Firmensitz noch (angeblich) in der Schweiz (nur winzigklein unten; oben im Briefkopf wird "Aschaffenburg" angegeben).
Ob das ganze rechtsgültig ist, man also insbes. auch weitere Folgesendungen bezahlen muss, darf bezweifelt werden.
Das klingt nach der altbekannten Masche mehrerer dubioser Versandhäuser, die aus der Schweiz Leute mit nicht oder zumindest nicht bewusst bestellten Abo-Waren überziehen; die angeblich "kostenlose" Rücksendung nicht gewünschter Waren soll bei denen gegen hohes Porto in die Schweiz erfolgen (obwohl der Versand oft aus Deutschland erfolgt). Oft werden Aufforderungen, keine weitere Ware zu schicken, ignoriert, oder es wird auch nach erfolgter Rücksendung oder Bezahlung weiter gemahnt bzw. behauptet, die Rücksendung sei nicht angekommen. Viele erhalten Ware, obwohl sie nie mit den Firmen Kontakt hatten (Adresshandel?).
(Regelmäßige Leser von antispam-ev.de werden den Hintergrund wohl zur Genüge kennen, aber es lesen ja auch Leute, die über Google frisch reinkommen...)
Also aus dem Internet und teilweise auch klassischen Medien bekannte Firmen wie:
- Provea, alias Miriale, Tono, Eleganzia, Atlas-Verlag: Unterwäsche, Eleganzia: Socken, Atlas: Papierwaren und Modelle.
- Sandviks Verlag, alias Egmont Horizont Verlag: (Kinder-)Bücher.
Im Gegensatz etwa zu den meisten Bestellformularen z.B. der Provea-Marken steht beim Bayer. Münzkontor wirklich ein Abo im Kleingedruckten. Ob das allerdings rechtsgültig ist, im Kleingedruckten versteckt, in einem als "Umfrage" getarnten Bestellformular, ohne Preisangabe (es wird nur ein "Vorzugspreis" von 10€ für das eine "Dankeschön" für die Umfrage genannt), könnte im Ernstfall ein Thema für die Gerichte werden.
Interessant ist, dass diese Firmen teilweise mit als seriös geltenden Firmen verflochten sind; dass es also ganz danach aussieht, als würden vordergründig seriöse Firmen auch Nebensparten mit dubiosen Praktiken halten.
- Provea ist oder war mit der Di Agostini-Gruppe (bekannt vor allem durch Versand von Modellen) verbunden.
- Für Sandviks waren vor einiger Zeit Informationen verfügbar, dass der norwegische Mutterverlag des Schweizer Versandhauses mit diversen bekannten Verlagen verbunden war. Im Moment gibt Google aber kaum etwas dazu aus.
Zunehmend versuchen einige solcher Firmen auch, über als dubios bekannte Forderungsaufkäufer, Inkassofirmen und Anwaltskanzleien die unrechtmäßigen Forderungen aus unverlangten Warenlieferungen aggressiv einzutreiben, nicht selten auch mit -tatsächlichen- gerichtlichen Mahnbescheiden und Klagen (wobei viele den notwendigen Widerspruch bzw. die Verteidigung vor Gericht versäumen oder sich dann doch einschüchtern lassen) und in Einzelfällen angeblich auch illegalen Praktiken wie unrechtmäßigen Kontosperren. Über die Praktiken solcher Forderungseintreiber gibt es hier einige gute Artikel: Zahlungsverbot - Kontosperrung durch Inkassobüro - illegale Vorpfändungen.


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