Antispam e. V. News

Liebe spammer (27) ...


Liebe spammer,

das Jahr 2010 geht unweigerlich dem Ende entgegen. Zeit ein wenig inne zu halten und die letzten zwölf Monate Revue passieren zu lassen. Ob ihr Spammer und Phisher auch ein Resümee des Jahres zieht? Falls nicht, kann ich mit ein paar Anmerkungen gern in die Bresche springen.

Das Erste, was ihr euch im nächsten Jahr unbedingt abgewöhnen müsst, ist die Nennung des angeblichen Sendernamens im Betreff. Wenn eine mir völlig unbekannte Lillian Anderson eine Nachricht an mich schickt, dann bietet der Betreff "Von Frau Lillian Anderson !!!" keine Information, die ich anregend genug finde, diese Mail zu öffnen. Bestenfalls muss ich annehmen, dass der Schreiber ein echter Idiot ist und die Grundzüge der Mail-Client-Konfiguration nicht versteht.

Beim Betreff offenbart sich ein weiterer Fehler, von dem ihr seid Jahren nicht lassen könnt, den ihr aber wirklich endlich ablegen solltet: zu viele Ausrufezeichen. Das wird übrigens nicht besser, wenn man an diese noch ein paar Zeichen anhängt, wie in "Electric Cars are CASH COWS!!! o8u2". Das sieht verdächtig nach einer ID aus. In die gleiche Kategorie vermeidbarer Blödheit gehört auch die regelmäßig anzutreffende Verwendung eines Punktes am Ende des Betreffs, wie z. B. in "Gold Dust For Sale." oder "Award Ko-ordinator." Das letzte Beispiel zeigt, dass jemand bei euch scheint zu glauben scheint, dass ein alberner Betreff, mit dem der Dreck hundert Mal in den Filtern hängen blieb, besser geeignet ist, wenn man ihn mit überflüssigen Minuszeichen aufbläht. Sorry Leute, das wird nichts. Es ist auch ziemlich bescheuert Mails mit dem Betreff "Email Notice..." zu versenden, weil diese Ankündigung für den Empfänger keinen erkennbaren Informationswert besitzt. Das der Müll den Weg nimmt, den ich für elektronische Nachrichten eingerichtet habe, sehe ich auch ohne diesen selten dämlichen Hinweis. Blöder ist eigentlich nur noch "[!! SPAM] Sehr geehrter Kunde", den mir angeblich die Postbank zusendet - aus Ungarn! Mann o Mann, da kommen einen die Tränen, bei so einem Mangel an Professionalität. Wobei der Text im Bild zu schieren Lachkrämpfen reizte.

Gestammel, das nur entfernt an die deutsche Sprache erinnert, solltet ihr langsam wirklich vermeiden. So schwer ist deutsch wirklich nicht. Der Betreff "Ihrem Konto haben AUSGESETZT" reizt wohl allenfalls bei einem IQ unter 80 zum öffnen. Aber auch totale Offenheit kann völlig fehl am Platz sein. Wer meint mit "|BUY NOW| Viagra50/100mg - $1.85, High Qua1ityMedications + Discount On All Reorders = Best Deal Ever!" punkten zu können, ist entweder neu im Geschäft oder hat gar nichts verstanden.  "Viagra" löst in so vielen Schreibweisen die spam-Filter aus, dass die Verwendung als Klartext im Betreff eigentlich nur eines bedeuten kann: der Müll sollte direkt versenkt werden. Das ist hier dann auch prompt und ohne Anstrengung bzw. nennenswerte CPU-Zeit passiert. Im Grunde könnt ihr auf solchen dummen Pillenspam dann auch gleich verzichten.

Mr.Pt. Lee, der über eine beachtliche Anzahl vermutlich gefakter Mailadressen verfügt, glaubt, dass ein Betreff wie "Friend" oder "ATTN:Friend" geeignet ist mit mir Kontakt auf zu nehmen. So sorry "Mr. Lee", aber meine Freunde wissen, dass dies unweigerlich dazu führt, den Dreck dahin zu verfrachten, wo er hin gehört: in den Müll. Und das vollautomatisch, Sie verstehen. Ein anderer, der sich Oliver nennt, schreibt ziemlich kurz "Da bin ich". Das erinnert mich an einen Spot in der Sesamstrasse, in dem ein Simpel auch einmal "da" sein wollte, beim Wechsel der Position aber immer feststellen musste, dass da, wo er hinging, immer "hier" war. Und egal wo das ist "Oliver", ich hoffe für Dich und Deine Gesundheit, dass das für uns niemals der gleiche Ort sein wird. Am Rande: "Greetings from Georgia" sollte man möglichst nicht mit *ru-Mailadresse versenden.

Was ihr euch 2011 auch sparen könnt, ist die Verwendung von gmail-Adressen. Ich habe schon seit Jahren alle Domains geerdet, die den Begriff "mail" enthalten. Das hat mich bereits vor einer Menge Dreck bewahrt. Wer mit mir kommunizieren will, soll sich eine vernünftige Mail-Adresse zulegen. gmail, aol, hotmail und yahoo gehören definitiv nicht dazu. Facebook mag viele Mitglieder haben und vielleicht kenne ich davon sogar einige. Ich selbst halte aber gar nichts davon und bin da demzufolge nicht Mitglied. Insofern ist es äußerts unwahrscheinlich bis unmöglich, dass eine Sara oder Bridget einen Kommentar zu einem meiner Fotos abgibt. Schon weil es solche Fotos nicht gibt, weder bei Facebook noch anderswo im Web.

Entbehrlich finde ich übrigens auch die Fülle windiger Business Vorschläge, Casino-spam, Lotteriegewinne, Mails von Fake-Professoren, Menschen, die sich ihres Geschlechts nicht sicher sind, wie Dr. Archer Greg aus China, der im Betreff behauptet, er hiesse "Mrs. Faith Zenwakolo", sowie Bank, Sparkasen und Ebay-Schwindel. Fällt darauf überhaupt noch einer herein? M. E. wird es Zeit für ein bischen mehr Originalität.

Natürlich könnt ihr 2011 auch so weiter machen, wie bisher. Nur beklagt euch dann bitte nicht, dass die Zeiten hart sind und ihr relativ erfolglos bleibt.

Michael Boettcher


Liebe spammer (25) ...

Liebe spammer,

ich bin wohl ein echter Glückspilz! Paypal teilt mir nämlich mit: Sie erhalten demnächst eine Zahlung. Ich grüble derzeit noch, vom wem die wohl kommt. Ist ein Erbonkel gestorben, von dem ich nicht weiß? Oder sind die 25,5 Mio. $ eingetroffen, die mir eine Bank in Hongkong avisiert hat? Ich bin gespannt. Eine International Promotions, von der ich noch nie gehört habe, versichert mir fast zeitgleich ein CATEGORY "A" WINNER" zu sein. Auch die STAATSLOTERIJ.NL verkündet mir Goodnews. Und MR. RICHARDSON, dessen Mailadresse ihn interessanter Weise als routh_johnson ausweist, beides sicher gelogen, teilt mir lapidar mit: YOU HAVE WON !!! Freida Groot von luckymail lässt sich auch nicht lumpen und sendet mir meine Winning Ref. No.zu. Wow! was für eine Woche.

Meine Glückssträhne muss sich dann ziemlich schnell herumgesprochen haben, weil es von Angeboten und Anfragen aktuell geradezu wimmelt: Partner with me versucht mich wohl deshalb ein James Dale Jr. zu kobern. Und auch PHOSA MHLONGO will mit mir laut Betreff ins "Geschäft." kommen. Leider teilt er oder sie mir das mit einem Punkt am Ende des Betreffs mit, was mein Spamfilter sofort übel nahm. Wirklich Pech! Vielleicht klappt es ein anderes Mal. Sicher hat der oder die Gute inzwischen jemand anderen gefunden. Man muss auch gönnen können. Bei meiner derzeitige Glückssträhne muss ich niemandem hinterher rennen, der sich nicht wenigstens dreimal bei mir meldet oder, so wie Andrzej Krause, gleich massiv droht: Letzte Mahnung: Werden Sie reich! Ja nee, ist klar, ich arbeite daran.

Eine mir ebenfalls unbekannte Ihre Lara Kamps, "Ihre" ist m. E. ein ziemlich merkwürdiger Vorname, die offenbar mit der Registrierungsstelle der netlivearena.com beim spammen zusammen arbeitet, sendet mir VERTRAULICH - vermutlich deshalb bcc: -  angebliche Zugangsdaten zu. Da ich in Erwartung des neuen Reichtums leider anderweitig beschäftigt bin, kann ich mich nicht um jeden Sche... kümmern und habe beide Mails weggeworfen. Ob das ein Fehler war? Denn schon bedroht mich PayPal mit der Nachricht: Stellen Sie wieder vollen Zugriff auf Ihr PayPal-Konto her. Schreck lass nach, und das so kurz vor dem Wochenende, wo ja schnell zusätzliche Ausgaben drohen. Gerade noch rechtzeitig fällt mir ein, dass ich gar kein Paypal-Konto habe. Vermutlich wäre die Domain accaunt.de - was für eine dämliche Schreibweise! - die ich diesbezüglich kontaktieren sollte, gar nicht mehr erreichbar gewesen, weil ich den Schrott sehr spät aus dem Müll gefischt habe. Ohne stimmige Details wird das nie etwas, ihr Phiskioten!

Bei dem ganzen Stress komme ich kaum noch dazu auf meine Gesundheit zu achten. Da trifft es sich außerordentlich gut, dass mir Dr. Mable Hufenberg aus Russland zusichert, Abnehmen geht jetzt endlich ohne Sport. Weiss ja auch jeder, der sich an den einen oder anderen Spontispruch erinnert: Sport ist Mord, Ich bezweifle allerdings, dass bei dem Angebot etwas anderes abnimmt als mein Kontostand. Aus diesem Grund habe ich es mir auch gespart nachzusehen, was mir eine Dr. Heidun Maier von einer arztpraxis empfehlen will. Vermutlich ist das auch ein lebensbedrohliches Mittel um Pfunde los zu werden. Liebe spam-Mafia: was eure Kunden vor allem loswerden wollen, sind eure Müllmails. Nicht, dass ich da Hoffnung hätte, aber wünschen wird man sich das noch können.

Auch das Aufgebot angeblicher Akademiker kann darüber nicht hinwegtäuschen, dass euer spam lästig und reichlich öde ist; immer die gleichen Themen: Pillen, Uhren, Sex. Die Möchtegern-Akademiker neigen dabei verstärkt zu deftigen Sprüchen. Z. B. die angebliche Prof. Dr. Erna Schroeder aus Polen, die im Betreff fordert Schluss mit der sch-laffen Moehre. Ich stehe ja auf frisches Gemüse - vom Markt. Frau Dr. Erna Kraus weiss um angebliche Weltmeisterschaften im "na, Sie wissen schon was" und empfiehlt Mittel, mit denen man dabei angeblich konkurrenzfähig wird. Leute, was soll das? Nicht nur dass ich bei der "Sportart" vermutlich nicht einmal die Kreisklasse erreiche, ich bin glücklich verheitratet und meine Zeit als regionaler Casanova ist lange vorbei, so gilt für mich in jedem Fall Fairness. Und das bedeutet natürlich: "Keine Macht den Drogen".  Ihr könnt eure gefälschten blauen Pillen also stecken lassen. Übrigens, die einzige Erna, die ich kenne, ist "Klein Erna" und eine echte Witzfigur. Die Häufung dieses Vornamens in Mails ist daher so ungewöhnlich, dass es auffällt. Das gebildete Frauen eine große Leidenschaft darin entwickeln sich möglichst vulgär auszudrücken, glaube ich schon gar nicht. Ich empfehle also dringend etwas kultivierter aufzutreten, sonst wird das nichts mit dem "Nahkampf".  Vermutlich haben die "studierten Damen" zusammen mit Darrel Fox einige Zeit im nudistcampus verbracht.

CHIEF JAMES IBORI brüllt mich nicht nur mit einem Fake-Namen an, sondern ist auch sonst sehr laut: HELP ME, MY ENEMIES ARE AFTER ME. Ob es wirklich sinnvoll ist sich auf der Flucht via Internet an völlig Unbekannte zu wenden, die weit weg wohnen? Natürlich antworte ich nicht, denn eher verliert man Geld als der "Chief" sein Leben.

Wer immer noch glaubt, dass Microsoft eine globale E-Mail-Lotterie veranstaltet und wahllos Mails mit dem Betreff HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH .............. Microsoft Winner bzw. CONGRATULATIONS.............. Microsoft Winner versendet, verdient es nicht besser. Das Microsoft meine Mailadresse besitzt, ist unwahrscheinlich: ich hatte noch nie einen Grund mich bei Bill Gates zu beschweren, denn der Text hier entsteht auf einem Linux-System. Auch ist kaum anzunehmen, dass jemand, der eine Verlosung startet, ohne dass die angeblichen Teilnehmer dafür Geld einsetzen müssen, mit dutzenden Mails in mehreren Sprachen dem offenbar uninteressierten Gewinner auffordert zu reagieren. Wie rät schon Lopez Pedro: carefully read this mail. Richtig, spammer! Hier tun es schon der Betreff und Sendeadresse, meint jedenfalls mein Spamfilter. Brian Dennis, der ängstlich anfragt CAN I TRUST YOU? kann ich beruhigen: sein spam ging ungelesen in die Tonne, ist also vertraulich und sicher. Das gilt auch für die Nachricht von Larisa Sonsnitkaya<(i>, die laut Mailadresse Susan Fernando heisst. Liebe Larisa/Susan: Dein Gebrüll BEMÜHUNG ZU VERWENDET IHM FÜR DIE KINDER DES GOTTES! ist aus Deiner Sicht bestimmt angebracht. Ich verstehe von dem Stuss dennoch kein Wort.

Liebe spammer, wenn ihr so weiter macht, dann kommen wir nie ins Geschäft. Und das ist auch gut so!

M. Boettcher

Antispam.de Glosse: Liebe spammer (24) ...

Liebe spammer,

gestern habe ich einmal wieder den Müll beseitigt. Nein, nicht den Hausmüll, das überlasse ich natürlich meiner Frau. Sondern den digitalen Dreck, den ihr regelmäßig in meiner Mailbox ablegt. Ein Wahnsinn, was sich darin so über einige Monate ansammelt. Nun erledigt die eigentliche Dreckarbeit ja mein spam-Filter. Insofern habe ich praktisch im Mülleimer gewühlt. Sei's drum!

Was ich als erstes feststellen konnte: es war eine gute Entscheidung gmail-Adressen grundsätzlich zu blockieren. Von den übrigen Freemailern geht zwar nicht so viel Dreck ein, sicherheitshalber habe ich aber die auffälligsten ebenfalls blockiert. Wie man so bescheuert sein kann, mir spam mit einer Adresse zu yahoo.com.hk zu versehen, verstehe ich nicht. Ein glatter Doppelfehler: yahoo und *.hk. Ich habe auch keine Ahnung, wie ihr darauf kommt, ich müsste Mails mit Spanien austauschen. Das gleiche Schicksal erfahren daher Mails mit der Domain-Angabe terra.es, egal ob man mir darin mit "HERZLICHEN GLUCKWUNSCH!!!" ominöse Gewinne verspricht oder mich stattdessen mit dem nichtssagenden Betreff "MICROWORD CORPORATIONS." anbrüllt. Wobei wieder einmal auffällt, wie lernresistent ihr seid. Hatte ich euch nicht lang und breit erklärt, dass Punkte am Ende eines Betreffs ein ziemlich klares Indiz für spam sind? Und was findet sich am Ende der Winzigwort-Brüllerei? Über die mehrfachen Ausrufezeiche sage ich jetzt 'mal nichts. Einfache Fehler zu vermeiden kommt für euch aber offenbar nicht in Frage. Ich danke euch für soviel Dämlichkeit.

Wer nun denkt, es geht nicht dümmer, der hat noch keinen Mailschrott mit Adressen der TLD 'cn' erhalten. Ja, seid Ihr jetzt wahnsinnig geworden? Wen, bitte, kenne ich in China? Richtig, niemanden! Die Krönung schafft dabei eine "Beate Böhm", die eine chinesische Mailadresse und den Umlaut im Namen benutzt, wenn sie mit dem Betreff von "Endlich mehr stehkraft in Ihrem Schlafzimmerchen" faselt. Es mag sein, liebe "Frau Böhm", dass man in China in "Schlafzimmerchen" zur Sache kommt. Bei uns reichen die Zimmer nicht nur für Kleinwüchsige. Unter uns: Es ist ziemlich blöd via Ägypten, Holland oder Palästina Mails mit einem Absender zur TLD 'ru' zu versenden. Ein bischen mehr Mühe müsstet ihr euch schon geben.

Ein alter Fehler auch beim spammen: von sich auf andere schliessen. Im Mailmüll ist regelmäßig ebay-Betrugsdreck enthalten. Nicht mit mir Leute, ich kaufe und verkaufe da niemals und Konten bei Paypal sind m. E. in etwa so nützlich wie Fusspilz.  Eine Bitte aber hätte ich: Könnte bitte jemand euren jungen Kollegen erklären, dass ich die Ziffer '1' von einem kleinen 'l' unterscheiden kann? Und dass mich die 2.500ste Schniedelverlängerung sowenig interessiert, wie die 2.499 davor? Danke!

Eine "Frau Dr. Sabine Graf" wollte vor einiger Zeit angeblich mein Sexleben mit der Freundin verbessern. Ich werde den Teufel tun und mich hier zu diesbezüglichen Beziehungen verbreiten; womöglich liest meine Frau hier mit. Aber danke, dass ihr mir so etwas noch zutraut. Deutlich zu weit geht aber die virtuelle Akademikerin "Prof. Dr. Anna Hartmann", die mir sexuelle Aktivitäten mit "Mädchen" unterstellt. Heh! ihr da hinten in Russland: wenn überhaupt, so sind es Frauen! Alles anderere wäre ein Fall für die Kripo. Rein stilistisch muss ich bemängeln, dass ich niemanden kenne, der in der Grußformel oder der Mailadresse sein Geschlecht vermerkt und sich selbst 'Herr X.' oder 'Frau Y.' nennt; mit oder ohne akademischen Grad.  Mit dem ist es nicht weit her, wie das Beispiel von 'Frau Dr. Prof.', angeblicher Vorname Helene, zeigt und die am Ende weniger Zeilen nicht mehr weiss, dass sie laut Mail-Adresse eigentlich Eva heisst. Besser wäre es als 'Prof. Dr.' zu zeichnen. "Frau Dr. Norene Reinberger", auch so eine Möchtegern-Akademikerin, hat dafür viel "Spasss", gönnt aber dem Kilogramm nur ein 'm'. Man kann mit Schlamperei mehr verlieren als ein paar Kilo, die man spätestens 4 Wochen später wieder mit sich herum schleppt. Nebenbei: Es ist reichlich unüblich sich mit "netten Grüßen" oder "frohen Grüßen" zu verabschieden. Für Frohsinn sind allenfalls die Rheinländer zuständig; warum weiß man hier in Norddeutschland nicht so recht. Wir sind auch nicht nett und ignorieren etwa eure Umlautschwäche. Es heisst 'Grüße', nicht 'Grusse'. Ihr solltet das Verfassen der spam-Texte daher 2010 nicht weiter Amateuren überlassen, die nur babelfish bedienen können. Obwohl deutsche Profis allein natürlich keine Garantie für Erfolg sind. So wirbt ein gewisser "Chris" dermaßen dilletantisch für unseriöse Seiten zum Thema private KKV, dass Marketingprofis wohl das Herz blutet. Naja, der digitale Mist landet immer sofort im Müll, wo IP69-Dreck immer hingehört.

Ein Brüller waren dieses Jahr immer wieder Versuche von Vorschussbetrügern. Ein "Herr Rod Thompson von Kenia" behauptet sogar, ich hätte eine Anzeige geschaltet. Und auf die hin meldet sich einer seiner Spießgesellen und will 10,8 Mio US$ in mein Unternehmen investieren. Wow! Vermutet ihr bei den Empfängern dieses Schwachsinns inzwischen Alzheimer, dass ihr mit so einer windigen Geschichte kommt? Hier mein Gegenvorschlag: ihr schickt mir die 10,8 Mio US$ und ich formuliere für euch ein paar glaubwürdigere Märchen. Natürlich nur für den Fall, dass 2010 auf dem schwarzen Kontinent wieder ein paar enorm wichtige Menschen spektakulär zu Tode kommen, ohne einen Erben zu hinterlassen.

Liebe spammer, phisher und andere Ganoven. Falls ihr gedenkt 2010 so weiter zu machen: ich bin dafür. Wer dermaßen unprofessionell arbeitet, der liebt seinen  Job nicht und verdient daher das virtuelle Fallbeil.

In diesem Sinne

M. Boettcher

Antispam.de Glosse: Liebe spammer (23) ...

Liebe spammer,

Akademikerinnen mit dem Vornamen "Sabrina" scheinen bei spammern derzeit hoch in Mode zu sein. Dr. Sabrina Schmidt z. B. sorgt sich um meine möglichen "Errektionssprobleme". Mit "rr" -böser Fehler. Dr. Sabrina Sieling dagegen warnt: "Donuts essen macht zu dick". Und Dr. Sabrina Herberich fragt mich - oder sich: "Diaz befriedigen?". Die Antwort will gut überlegt sein, ich grüble daher noch, was ich zurück schreibe.
Die Nicht-Sabrina-Doktor-Kollegin Dr. Petra Geis hat ein gänzlich anderes Anliegen und konstatiert schlicht und direkt: "Ein Mann muss mich befriedigen koennen". Das mag sein. Der Kreis potentieller Kandidaten für einen diesbezüglichen Versuch wäre vermutlich höher, müsste 'Mann' ob des Kontaktwegs an sich nicht befürchten, dass die Dame potthässlich und frigide ist. Der Contest findet jedenfalls ohne mich statt, da ich mich ganz zwanglos für die naheliegende Alternative entscheiden kann: meine Frau!

Die Sabrinas haben noch eine Freundin namens "Adelle". Die ist auch sehr um meine schlanke Linie besorgt und mahnt streng: "Pommes-Frites essen macht zu dick". Wie Adelle aussieht und ob sie an den richtigen Stellen "Dellen" hat, kann ich nicht sagen. Eines aber ist klar: wenn ich mich betrachte, kommt die Warnung eindeutig zu spät.  Da hilft die Mail also kein Stück. Dass ich von dem Zeug nehme, das ihr bewerbt, kann ich ausschliessen: ich hänge am Leben und meinem Geld, egal ob nun zu dick oder Hungerhaken. Glücklicher Weise bin ich mir absolut sicher, dass Bier, Cola, Wein, Schnaps, Steaks, Schweinshaxen, Buletten, Schokolade, Kuchen, Bonbons, Pralines und andere schöne, fette oder zuckerhaltige Nahrungsmittel einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht eines Menschen ausmachen können. In größeren Mengen genossen trifft das auch auf Feldsalat, Möhren und Gurken zu. Falls dem lieben Victor Vitti für weitere spam-Runden also die Begriffe für Dickmacher ausgehen: bei mir wird er geholfen.

Im Gegensatz zu den Akademiker-Damen fassen virtuelle Kerle sich deutlich kürzer, zumindest im Betreff. So sendet mir Dr. Simon Tabama darin nur ein kurzes "Hallo". Da weis man doch gleich um was es geht! Leicht geschwätzig wird der www (wer-weiss-wo) promovierte Knabe aber, wenn man nicht reagiert. Dann heisst es im Betreff auch schon einmal "Guten Tag". Was bitte soll an einem Tag gut sein, an dem man zum wiederholten Male mit so einem blöden Versuch von Vorschussbetrug beinahe belästigt wird? Der liebe Philip Price LLB, der das Gleiche wie Simon plant, hält es für origineller, wenn er sein "Hello" täglich leicht variiert und auch mal mit "Hello'" und "Hello!" grüßt. Vielleicht hofft er  damit seine neuen, digitalen Freunde auseinanderhalten zu können. Nichtssagend ist es allemal und so landet der Kram da, wo er hingehört: im virtuellen Shredder. Um Klassen besser und freundlicher klingt das "Lieber Freund" von "Herr Liu Jinbao". Wer kann Freunden schon etwas abschlagen? Wobei man dem Typ leider zwei winzige Fehler vorwerfen muss. Seine Mailadresse lautet auf jimbaoliu..., m statt n, was ich mindestens nachlässig nenne. Da fehlt erkennbar die Liebe zum stimmigen Detail. Wer sich zudem selbst als "Herr ..." bezeichnet, fällt für mich als ernst zu nehmender Verhandlungsparter eines Millionengeschäfts eindeutig aus.  Ich lasse mich doch nicht von Deppen ausnehmen. Das gilt natürlich auch für Jin/mbaos Kumpel "Herr MARTINS WEBER DITO", der mir nicht nur zu blöd sondern auch zu laut ist.

Früher gab es gelegentlich Tage, an denen ich völlig überrascht keinen spam im Posteingang vorfand. - Noch früher war spam-Freiheit natürlich die Regel, aber um die Internet-Steinzeit geht es hier ja nicht. - Einen dieser seltenen Tage habe ich in dieser kleinen Reihe schon öffentlich gefeiert. Gerade deshalb bin ich sicher, dass mir die letzten Monate in Erinnerung bleiben werden als Phase relativer Ruhe an der spam-Front. Es kam so wenig Dreck in der letzten Zeit, dass ich fast jede Woche einen  spam-freien Tag erleben konnte. Es war sogar so ruhig, dass ich gelegentlich Muße fand den Kram, der sonst durch den Overkill des Casino/Viagra/Pillen-Mülls verdeckt wird, einer intensiveren Würdigung zu unterziehen. Was man hier bei antispam.de über Scambaiter-Aktivitäten lesen kann, hat mir schon manche amüsante Lesestunde verschafft. Selbst solchen Murks aus den Tiefen des virtuellen Mülleimers fischen zu können, ist, wie ich in den letzten Wochen feststellen konnte, weniger erheiternd. Die Geschichten sind von solcher Schlichtheit, dass Abwechslung  bei den Formulierungen schon als originell durchgeht. Sofern die Texte auch auf deutsch übermittelt werden, sind diese häufig wohl mit Babelfish erzeugt. Man merkt jedenfalls, dass die Verfasser selten wissen, was sie für einen Unsinn zusammenstoppeln. Immerhin wird das Thema klar, was ja der Sinn der Sache ist. Mitleid mit denen, die auf so einen Quatsch hereinfallen, habe ich nicht. Zeigt doch praktisch jede Geschichte, dass man aufgefordert wird bei einem Betrug mit zu machen. M. E. leiden die scam-Versuche doch erheblich an Plausibilität. Eine kurze Prüfung der Herkunft zeigt oft, dass die Mails nicht da eingeliefert wurden, wo der Schreiber den Behauptungen nach wohnen müsste. Eine rührende Betrugsstory zum schwarzen Kontinent kann schwerlich in den Niederlanden oder Bulgarien eingeliefert werden. Angebliche Bankbetreuer oder Treuhänder, die das Vermögen Verstorbener oder einen Millionengewinn mit Unterstützung gieriger Deppen transferieren möchten, sitzen daher auch schon mal in Hong Kong, schreiben ihren Dreck vermeintlich aus den Niederlanden oder dem Big Apple. Viele der genannten Möchtegern-Betrüger und diverse andere Spammer nutzen übrigens eine gmail.com-Adresse. Die ist längst geerdet. Wer mir schreiben will, sollte sich daher eine andere Mail-Domain zulegen.

Zu guter Letzt noch ein dringender Hinweis an die Viagra-Fraktion: mit "Weihnachten ist Potenzzeit" ist man im Frühsommer 2009 entweder ziemlich spät dran oder kommt deutlich zu früh. Wobei das ja eigentlich genau euer Thema ist. Mein Tipp: ihr solltet das eigene Zeug meiden; es scheint erhebliche Nebenwirkungen zu haben.

In diesem Sinne

M. Boettcher