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Binäre Optionen

Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Spam für sog. Binäre Optionen steht und warum man nicht auf die Versprechungen der Spammails eingehen sollte.

Um das Fazit gleich vorweg zu nehmen: Spam für binäre Optionen ist der Glückspiel-/Casino-Wolf im Schafpelz. Sie können die Mails getrost unbeachtet löschen und hier dann aus dem Artikel aussteigen, denn mehr gibt es zu Spam für binäre Optionen nicht zu sagen.

Inhaltsverzeichnis

Worum geht es?

Wie? Sie lesen weiter? Na gut, denn mal ran an den Speck:

Seit etwa Anfang 2013 wird verstärkt per Spam dafür geworben, sich an der Spekulation mit sog. Binären Optionen zu beteiligen. Es werden enorm hohe Einkommen in kurzer Zeit bei niedrigem Risiko versprochen, häufig verbunden mit irgendwelchen angeblich ganz sicheren Methoden, wie man systematisch Gewinne realisieren kann.

Ab Anfang 2014 ist ein deutlicher Anstieg der Spamflut für binäre Optionen zu verzeichnen.

Ein Beispiel

Hier ein typisches Beispiel aus dem Antispam-Forum:

Hallo,

Eines gleich vorab: Sie werden mit großer Wahrscheinlichkeit keine 87,58 Millionen Euro in 4 Jahren verdienen ...

..wie wäre es aber mit nur 1% davon?

Falls Sie (so wie ich) kein Rechengenie sind... wir sprechen hier immer noch von 875.800,- Euro in 4 Jahren, was 218.950,- Euro pro Jahr bzw. 18.245,- Euro im Monat sind.

Dass genau das absolut JEDER SOFORT haben kann, beweist das folgende Video, indem mein Schüler in nur 7 Tagen 4.575,- Euro NETTO verdient hat! DIREKT nach dem Start!

Er hat alles per Video dokumentiert … gezeigt, was er macht, wie er es macht und was er jeden Tag genau verdient hat.

Sehen Sie selbst:
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Keine Bilder die mit Photoshop bearbeitet wurden sondern ein Video das jeder auf Echtheit prüfen kann!

Im Prinzip ist es mir egal, ob Sie das Video nun ansehen denn wenn Sie es nicht tun, wird es ein Anderer tun und sich freuen!

Alles ist selbstverständlich kostenlos und Sie müssen keine Daten eingeben … nur das Video anschauen und staunen!

Wenn Sie überzeugt sind, benötige ich nur 39 Minuten Ihrer zeit, um Ihnen absolut alles zu zeigen was Sie brauchen um genau dieselben Ergebnisse zu erzielen.

Dutzende meiner Schüler haben es schon bewiesen und Siefinden deren Videos auch auf der Webseite:
>>> (Link entfernt) <<<

Wir sehen uns dann gleich wieder!
Ihr Norbert
und das gesamte WST Team

Was sind Binäre Optionen?

Allgemein betrachtet bezeichnet man Optionen auch als bedingte Termingeschäfte. In der Regel geht es dabei um Kauf- oder Verkaufsoptionen von Wertpapieren oder Devisen, d.h. man bekommt gegen Zahlung eines Geldbetrags das Recht, ein Finanzprodukt zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem in der erworbenen Option festgelegten Kurs zu kaufen; man kann die Option auch verfallen lassen, d.h. man kann später kaufen, muss es aber nicht.

Über den Verkauf von Optionen verschaffen sich Spekulanten am Aktien- oder Devisenmarkt Kapital für ihre Spekulationen. Man bietet eine Option an, und aus den Verkaufsgewinnen der Option kann man dann versuchen, durch Spekulation mit den in der Option genannten Wertpapieren oder Devisen den Kurs zu erreichen. An sich sind Optionen ein gängiges „Produkt“ im Finanzsektor und werden im großen Stil angeboten und auch gehandelt.

Schlägt man nun den Begriff „Binäre Option“ bei Wikipedia nach, stößt man auf eine Seite mit vielen Fachbegriffen, auf der man unter anderem erfährt, dass die binären Optionen zu den sog. exotischen Derivaten gehören. Wenn schon Banker ein Finanzprodukt als „exotisch“ bezeichnen, sollte man stutzig werden.

Bei binären Optionen geht es – etwas vereinfacht gesprochen – darum, darauf zu wetten, ob ein Aktienkurs, ein Rohstoffkurs, ein Wechselkurs oder ein Index (z.B. DAX oder DowJones) bis zu einem festgelegten Zeitpunkt steigt oder fällt. Ähnlich wie bei klassischen Wetten bekommt man, wenn das vorhergesagte Ereignis eintritt, seinen Einsatz zuzüglich eines vorher festgelegten Gewinns. Tritt das vorhergesagte Ereignis nicht ein, verfällt der Einsatz an denjenigen, der die Option ausgegeben hat.

Binär bedeutet dabei wörtlich übersetzt zweiwertig. Damit ist gemeint, dass diese Art von Option nur zwei Ereignisse kennt: 1. Der Kurs steigt (oder bleibt gleich) und 2. der Kurs fällt. Wie stark ein Kurs steigt oder fällt, spielt keine Rolle.

Binäre Optionen sind im Finanzsektor eine vergleichsweise junge Erscheinung; der Handel wurde erstmals 2008 gestattet. In vielen Teilen der Welt unterliegen binäre Optionen daher (noch) nicht der Finanzmarktaufsicht.

Was in den Spammails versprochen wird

Wenn man den Links in Spammails wie der oben zitierten folgt, gelangt man auf Seiten, die „Börse für Dummies“ oder „Börse ganz einfach” heißen, und auf denen versprochen wird, dass man mit sehr kurzzeitigen binären Optionen (Laufzeit nur wenige Stunden oder Tage) bei kleinem Einsatz eine Menge Geld machen kann.

Häufig sind dort Videos zu finden, in denen Beispiele dafür gezeigt werden, dass eine Option mit 100 Euro Einsatz schon nach kurzer Zeit 120 oder gar 160 Euro Auszahlung gebracht hat. Es ist von Traumrenditen die Rede, und man wird geschickt manipuliert, dass man das, was man sieht, auch ja nicht hinterfragt.

Um an das Geld zu kommen, muss man sich nur schnell bei einer Handelsplattform für Optionen anmelden, die in der Regel auch direkt verlinkt wird. Man wird damit gelockt, dass die Anmeldung kostenlos sei oder nur wenig kostet, auf dass man möglichst schnell einsteigen könne, solange andere noch nicht auf den Gewinnzug aufgesprungen sind.

In den Videos werden auch konkrete Tipps gegeben, wie man möglichst einfach herausfindet, ob man auf steigenden oder fallenden Kurs setzen soll, und wie man die beste Optionen möglichst schnell findet.

Die Haken an der Sache

Chartanalyse ist extrem risikoreich!

In nahezu allen Fällen, die in den Videos und auf den Webseiten als Beispiele genannt werden, beruht die versprochene todsichere Methode auf der sog. Chartanalyse. Ein Chart ist ein Diagramm, in dem der Verlauf eines Wertpapier- oder Devisenkurses über der Zeit dargestellt wird. Ein Beispiel für einen Chart des Deutschen Aktienindex (DAX) findet man bei Wikimedia.

Die in den Beispielen eingesetzte Chartanalyse versucht nun mit ganz simplen Mitteln, aus dem bisherigen Verlauf des Charts in die Zukunft zu schließen und auf Basis dieser Vorhersage eine binäre Option auf den analysierten Wertpapier- oder Devisenkurs zu kaufen.

Natürlich setzen die Macher des Spams es auf Laien an, d.h. die simplen Mittel, mit denen die Charts analysiert werden, sind wirklich simpel. Häufig beschränkt man sich auf den Augenschein und auf Schlussfolgerungen wie „Der Kursverlauf hatte seit dem heutigen Handelsbeginn einen Trend aufwärts, also wird er noch weiter steigen.“

In dem Beispielchart des DAX könnte man zum Beispiel sagen: „Zwischen Ende November und Ende Dezember ist der DAX gestiegen, also wird er bis Ende Januar auch noch weiter steigen. Ich kaufe also eine binäre Option auf steigenden DAX bis Ende Januar und bin fein raus.“

Leider sind solche simplen Annahmen eben nur simple Annahmen, und die Wirklichkeit ist alles andere als simpel. Nur, weil ein Kurs eine gewisse Zeit steigt oder fällt, heißt das nicht, dass das auch weiterhin so sein wird. Im Gegenteil: Ein steigender Kurs verführt die Inhaber des Wertpapiers oder der Devise zum Verkaufen, was einen fallenden Kurs zur Folge hat. Je steiler der Anstieg eines Charts, desto wahrscheinlicher also sein schneller Abfall.

Am Beispiel des DAX sieht man, dass die Wette auf steigenden Kurs bis Ende Januar nach hinten losgegangen wäre.

Auch andere Faktoren beeinflussen den Verlauf eines Charts, zum Beispiel Meldungen über Wirtschaftsentwicklungen, Naturkatastrophen oder politische Neuigkeiten. Diese Faktoren werden bei der simplen Chartanalyse nicht berücksichtigt! Auch kompliziertere Ansätze von Chartanalyse werden niemals alle Faktoren erfassen, die einen Kurs beeinflussen!

Daher wird die Chartanalyse und der auf ihr basierende Handel als extrem risikoreich angesehen. Man kann mit ihr durchaus schnelles Geld machen, aber man kann es ebenso schnell wieder verlieren.

Andere Trader wissen auch nicht mehr als man selbst

Anstelle der Chartanalyse werden auf einigen Plattformen Statistiken über die Vorhersagen anderer Trader gezeigt, die gerade eine binäre Option auf die gleiche Aktie bzw. den gleichen Kurs laufen haben, den man selber im Blick hat.

Wählt man einen bestimmten Kurs aus, wird neben dem Chart z.B. angezeigt, dass auf der Plattform zur Zeit 67% der gerade aktuellen Binären Optionen auf einen steigenden und 33% auf einen fallenden Kurs wetten. Man wird dann in den Trainingsvideos häufig dazu angehalten, einfach der Masse zu folgen und sich für die Mehrheit zu entscheiden.

Es gibt nun keinen rationellen Grund dafür, anzunehmen, dass die Masse mit ihrer Vorhersage Recht hat. Das Gegenteil ist an den Finanzmärkten die Regel: Wenn eine Masse eine bestimmte Entscheidung trifft, hat das für jeden Teilnehmer der Masse negative Folgen. Wenn zum Beispiel eine große Gruppe von Leuten Aktien einer bestimmten Firma abstößt, fällt der Kurs, was wiederum andere zum Verkauf verleitet, womit der Kurs weiter fällt, usw., usw.

Um ein plakatives Beispiel für den Handel mit binären Optionen zu wählen: angenommen, Sie würden auf das Ergebnis eines Münzwurfs wetten. Wenn sich alle Ihre Freunde für das Ergebnis "Kopf" entscheiden, würden Sie dann auch auf "Kopf" wetten? Wenn ja, warum? Und hätten Sie damit eine höhere Gewinnwahrscheinlichkeit?

Binäre Optionen sind weitgehend unreglementiert

Der Handel mit Wertpapieren und Devisen wird in nahezu allen Ländern weltweit von Aufsichtsbehörden überwacht, bei denen man im Falle von Unregelmäßigkeiten Beschwerde einreichen kann. Sollte es zu Kursmanipulationen kommen, schreiten die Aufsichtsbehörden auch ein. Gleiches gilt für viele Optionen. Wenn die in der Option gemachte Zusage nicht eingehalten wird, hat man eine unabhängige Instanz, die die Einhaltung durchsetzen kann.

Die Ausgabe von binären Optionen und ihr Handel unterliegen nun in sehr vielen Ländern nicht dieser Kontrolle, d.h. niemand kann die Einhaltung der gemachten Zusagen garantieren. In vielen Ländern fällt der Handel von binären Optionen aufgrund ihres Wettencharakters unter die Glücksspielaufsicht, und diese hat kaum Handhabe gegen den internationalen Finanztransfer auf den globalisierten Finanzmärkten.

Aber selbst wenn binäre Optionen unter die Finanzmarktaufsicht fallen, so gibt es noch keine weltweit einheitlichen Standards für Art und Umfang der Reglementierung. In einigen Teilen der Welt gibt es eher oberflächliche Prüfungen, woanders wird genau hingesehen.

Das EU-Deckmäntelchen

In jüngster Zeit bemühen sich die Macher von Tradingplattformen für binäre Optionen um eine seriöse Fassade. Beispielhaft seien hier die Plattformen EZTrade und BDSwiss genannt, die beide für sich in Anspruch nehmen, in allen Ländern der EU registriert zu sein. BDSwiss macht damit sogar Fernsehwerbung. Und auf der Homepage von EZTrade findet man Links zu Webseiten der Finanzaufsichten nahezu aller EU-Mitgliedländer, wo der Betreibergesellschaft dann jeweils eine Zulassung bescheinigt wird.

Was steckt dahinter? Die eigentliche Zulassung der Betreiber solcher Plattformen findet in der Regel in der Republik Zypern statt, also dem südlichen ("griechischen") Teil der Insel Zypern. Dort ist die CySEC als Regulierungsbehörde zuständig; auf deren Internetseite sind die Plattformbetreiber auch ordnungsgemäß registriert. Die Betreiber haben ihren Sitz offiziell in der Republik Zypern, und die Adressen, die auf der CySEC-Seite genannt sind, deuten nicht selten auf Briefkasten-Firmen hin. Man darf davon ausgehen, dass die CySEC nicht sonderlich genau prüft; jedenfalls nicht nach mitteleuropäischen Maßstäben.

Nun ist die Republik Zypern aber Mitglied der EU. Das EU-Recht zwingt nun alle anderen Mitgliedsstaaten, die Zulassung der Betreiber auf Zypern uneingeschränkt anzuerkennen. Selbst wenn es Zweifel an der Seriosität der Betreiber gibt, haben die anderen Mitgliedsstaaten keine andere Wahl, als zuzuschauen. Sie können ihre Bedenken bei der CySEC anmelden, aber auch hier kann man davon ausgehen, dass diese solche Beschwerden nicht allzu ernst nimmt.

Die Republik Zypern erwirtschaftet laut Wikipedia knapp 4/5 ihres Bruttoinlandsprodukts mit Dienstleistungen, von denen der Finanzsektor den größten Anteil ausmacht. Das dürfte einer der Gründe sein, warum man als Finanzdienstleister auf Zypern relativ ungestörte Geschäfte machen kann.

Die in Spammails beworbenen Handelsplattformen sind häufig unseriös

Um mit binären Optionen zu handeln, braucht man einen Makler. Im Internetzeitalter gibt es dafür spezielle Plattformen, bei denen nahezu jeder selber Käufe und Verkäufe tätigen kann, die dann vom Betreiber der Plattform als zugelassener Makler im Kundenauftrag ausgeführt werden. Einige Portale kennt man aus Funk- und Fernsehwerbung.

Die Macher von Spam für binäre Optionen empfehlen solche Handelsplattformen, die sich nach außen in Optik und Bedienung kaum von seriösen Angeboten unterscheiden. Im Gegensatz zu diesen ist aber auf den entsprechenden Webseiten nirgendwo der Betreiber wirklich greifbar, d.h. es bleibt unklar, wem man denn überhaupt sein Geld anvertraut. Im Impressum finden sich Briefkasten- oder Postfachadressen; die angeblichen Betreiberfirmen sind in exotischen Ländern registriert, in denen man von Deutschland aus keine Chance auf Durchsetzung rechtlicher Ansprüche hat; es ist nicht klar erkennbar, ob die Plattform einer Kontrollbehörde unterliegt und wie man diese auf unabhängigem Wege erreichen kann; das Geld, das man als Startkapital einsetzen soll, soll auf ausländische Konten überwiesen oder per Geldtransferservice (MoneyGram, Western Union, PaysafeCard und ähnliche) übermittelt werden.

Im Prinzip sollte man die Prüfkriterien, die im Artikel Betrügerische Internet-Shops genannt sind, auch hier anwenden. Ergänzt um Anfragen bei der eigenen Hausbank, ob sie die beworbene Plattform vielleicht kennt. Man wird schnell feststellen, dass die beworbenen Plattformen außen hui, innen aber pfui sind.

Auf dieser Internetseite sind verschiedene Broker vergleichend zusammengetragen (die Liste vermutlich nicht vollständig und es ist unklar, ob sie auch unabhängig ist). Alle dort gelisteten Broker haben ihren Sitz auf Zypern – Stichwort EU-Deckmäntelchen – oder sind nutzen für ihren Handel zumindest eine Lizenz der CySEC. Es ist dem Autor dieser Zeilen trotz intensiver Recherche nicht gelungen, einen Broker zu finden, der binäre Optionen anbietet und außerhalb Zyperns registriert wäre.

Hohe Gebühren und sonstige Kosten

Bei seriösen Plattform für den Handel an Finanzmärkten zahlt man Gebühren für das eigene Wertpapierdepot und für jeden Kauf oder Verkauf. Das Ganze ist den Gebühren für Kontoführung und Überweisungen beim eigenen Girokonto vergleichbar, auch wenn die Summen beim Wertpapierhandel in der Regel deutlich größer sind.

Natürlich nutzen die Spammer und die Betreiber von unseriösen Handelsplattformen das aus und verlangen ebenso Gebühren. Diese sind nicht selten im Vergleich zu seriösen Plattformen aber überhöht und fallen für Dinge an, die woanders nichts kosten. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt, d.h. man erhebt Angebotsgebühren, Kaufgebühren, Gebühren für die Einlösung einer gewonnenen Option, Gebühren für die Abwicklung einer nicht gewonnenen Option, Gebühren für das Einzahlen von Geld, Gebühren für das Auszahlen von Geld, usw. usw.

Bei seriösen Anbietern, die man aus Funk- und Fernsehwerbung kennt, findet man Preislisten zum Vergleichen auch ohne dass man sich bei den Plattformen anmelden muss.

Auf dieser Internetseite sind verschiedene Broker vergleichend zusammengetragen. Dort findet man auch Angaben zu Gebühren. Die Liste ist vermutlich nicht vollständig, aber für einen ersten Eindruck reicht es.

Dubiose Rückzahlungsversprechen

Eine echte binäre Option verfällt, wenn man die Wette verliert, d.h. wenn man auf steigenden Kurs gesetzt hat, der Kurs fällt aber, ist der Einsatz weg.

Hin und wieder, wenn auch nicht immer, werden auf den Webseiten, die in Spammails für den Handel mit binären Optionen angepriesen werden, dubiose Rückzahlungsversprechen gegeben. Man bekommt zum Beispiel 15 Euro von 100 Euro Einsatz zurück, wenn man die Wette verliert. Die zurückgezahlten 15 Euro sind dann vielleicht angebliche Gebühren, die man zurückerstattet bekommt, weil die Plattform ja eigentlich nur Erfolge garantiert.

Dass man dabei dann aber immer noch 85 Euro verloren hat, wird so geschickt vertuscht.

Verzögerte oder an Bedingungen geknüpfte Boni und Auszahlungen im Kleingedruckten

Die Betreiber von per Spam beworbenen Plattformen für den Handel mit binären Optionen locken mit schönen Boni, wenn man z.B. 100 Euro einzahlt. In einigen Erfahrungsberichten, z.B. auf dieser Internetseite kann man dann aber nachlesen, wie der Hase tatsächlich läuft: Um diese Boni zu bekommen, muss man in der Regel ein bestimmtes Handelsvolumen erreichen, das mit hohen Verlustrisiken verbunden ist. Selbst wenn man dann den Bonus bekommt, kann es durchaus sein, dass man vorher schon mehr Geld verloren hat, als man als Bonus bekommt. Man macht also insgesamt Miese.

In vielen Erfahrungsberichten liest man auch immer wieder von verzögerten oder gar nie stattfindenden Auszahlungen. Selbst wenn man Gewinn gemacht hat, wird einem das Geld nur häppchenweise ausgezahlt, und das zum Teil auch nur nach sehr langen Wartezeiten. Eine Handhabe dagegen hat man kaum, weil sich die Anbieter in weit entfernten Ländern, bevorzugt Zypern,verstecken, wo man kaum rechtlich etwas durchsetzen kann, und wenn doch, dann nur mit enormen Verfahrenskosten.

Bei nahezu allen per Spam beworbenen Tradingplattformen für binäre Optionen enthalten die AGB sehr viel sprichwörtlich Kleingedrucktes. Der Kunde muss viele Bedingungen erfüllen, um an die Boni zu kommen, oder um überhaupt erfolgreich handeln zu können. Diese Regelungen werden von den Betreibern vorgeschoben, wenn man sein Geld zurückfordert. Und das sogar dann, wenn man auf der Plattform einen Verlust gemacht hat und nur das restliche Geld zurückfordert.

Der Glücksspielcharakter wird schön geredet

Einige Wirtschaftsjournalisten, wie zum Beispiel hier bei Wallstreet Online, stufen binäre Optionen als Glücksspiel ein, bei dem bestenfalls eine 50%ige Gewinnwahrscheinlichkeit besteht. Wenn die Aktienkurse, auf die man wetten kann, aber gezielt manipuliert werden (der Verkäufer von Optionen hat ja das Geld dafür, die Kurse so zu beeinflussen, dass die Optionen verfallen), liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit auf jeden Fall unter 50%.

Diese Tatsache wird durch viel Blendwerk in den Spammails und auf den so beworbenen Plattformen schön geredet. Die weiter oben kritisierte Chartanalyse ist dabei nur eines der Mittel. Und selbst die kleine Gewinnwahrscheinlichkeit wird mangels echter Aufsicht nicht garantiert. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Das Missverhältnis zwischen Einsatz und Gewinn

Auf vielen per Spam beworbenen Plattformen werden Ausschüttungen von 60 bis 70% versprochen, wenn man die Wette auf eine binäre Option gewinnt. Man setzt also z.B. 100 Euro auf einen steigenden Kurs, und wenn dieser dann zum Ablauf der Option gestiegen ist, bekommt man 160 oder 170 Euro heraus. Dummerweise verliert man aber 100 Euro, wenn der Kurs nicht steigt. Die Differenz streichen immer die Betreiber der Plattform ein!

Auch hier bemühen wir wieder das Bild des Münzwurfes: Würden sie mit mir auf Münzwurf für 1 Euro pro Spiel wetten, wenn ich Ihnen im Gewinnfall 1,70 Euro auszahle? Ich würde dann in jedem Fall Profit machen. Meine Chancen stehen 1:1, dass ich gewinne. Ich bekomme für jeden Gewinn allerdings 1 Euro, für jeden Verlust (aus meiner Sicht, das wäre Ihr Gewinn) zahle ich aber nur 70 Cent.

Andere Werbestrategien für binäre Optionen

Suchmaschinenoptimierung

Wirft man Suchbegriffe wie "Binäre Option Vergleich", "Binäre Option Kritik" oder "Binäre Option Erfahrungen" in Suchmaschinen ein, so finden sich auf den vordersten Plätzen der Suchergebnisse viele vermeintlich freie Blogs und andere Webportale, auf denen von "unabhängigen Informationen" die Rede ist. Beim genauen Hinsehen erkennt man allerdings, dass es sich sehr häufig um wenig kritische Lobhudeleien handelt, die vermutlich gezielt im Netz platziert werden. Entweder mehr oder weniger direkt von den Betreibern, oder von Dritten, die sich dann aber mit den Provisionen für jeden Klick auf die Anmeldeweiterleitung ihren Lebensunterhalt verdienen; siehe auch nächster Abschnitt.

Es ist sehr schwierig, in diesem Rauschen wirklich brauchbare Informationen zu finden. Die in den Suchergebnissen gelisteten Seiten sollte man in jedem Fall daraufhin prüfen, ob sie auch andere Inhalte als nur binäre Optionen behandeln. Wenn man dort gut gemeinte Tipps findet, ist Vorsicht geboten.

Betreiber von Handelsplattformen versuchen außerdem auch noch auf anderen Wegen, positive Berichte über Binäre Optionen allgemein oder speziell ihre Plattform im Internet zu platzieren. So findet man auf speziellen PR-Internetplattformen vermeintlich unabhängige Berichte und Reportagen, gerne auch mal mit "Experten"meinungen gepaart, in denen Binäre Optionen über den grünen Klee gelobt werden; dies hier ist nur ein willkürlich gewähltes Beispiel. Zum Einen darf man davon ausgehen, dass die Autoren solcher Texte mehr oder weniger direkt von den Profiteuren des Handels mit Binären Optionen bezahlt werden, zum Anderen muss man bedenken, dass die Plattformen, auf denen man solche Texte findet, in der Regel keine ernsthafte Prüfung der Leute vornimmt, deren Texte sie veröffentlichen. Jedenfalls darf man keine journalistischen Maßstäbe anlegen.

Ein weiterer Weg ist der klassische Kauf bzw. Tausch von Links. Die Betreiber von Handelsplattformen kontaktieren Betreiber anderer Internetseiten mit der Frage, ob man gegen Geldzahlung positive Berichte über binäre Optionen oder die Handelsplattform veröffentlicht. So erschiene dann auf einer ansonsten mehrheitlich seriösen Plattform eine Lobhudelei, was dann wiederum das Ansehen der Handelsplattformen in Suchmaschinen deutlich steigert. Beispiele für die gebotenen Summen finden sich im Forum des Antispam e.V., in dem die wiederholten Versuche eines Anbieters als Spammails dokumentiert sind. [Der Antispam e.V. lehnt so etwas natürlich ab.]

Affiliate-Markting

Ein Teil der Spammails für den Handel mit binären Optionen enthält Hinweise auf sog. Affiliate-Marketing. Dabei bezahlt ein Betreiber einer Trading-Plattform (im Fachjargon nennt man diese Partei Merchant) einem Vertriebspartner (dem sog. Affiliate) eine Provision für jeden Neukunden, der auf Vermittlung des Vertriebspartners Kunde wurde. Solche provisionsbasierten Vermittlungen kennt man in großem Stil aus dem Bereich der Versicherungen, aber auch in anderen Bereichen der Wirtschaft sind sie gebräuchlich.

Eine Besonderheit beim Affiliate-Modell ist, dass die Affiliates rechtlich eigenständige Partner sind, die auch eigenständig Werbung betreiben und selber Neukunden anwerben. Das unterscheidet sie z.B. von einem Teil der Versicherungsvertreter, die an eine Versicherung gebunden sind, und die selber auch nur in begrenztem Umfang werben. Für die großen Kampagnen zeichnen dort in der Regel die Versicherungen selber verantwortlich.

Affiliate-Marketing ist bei viele zweifelhaften Produkten und Angeboten zu beobachten, die im Internet beworben werden, häufig über Spam. So auch im Falle von binären Optionen. Der Merchant macht sich damit die Sache leicht, denn er kann – so glauben irrtümlich zumindest viele Merchants – rechtlich nicht zur Verantwortung gezogen werden.

Wenn man nun sieht, dass solche Vermittlungsprovisionen gezahlt werden, drängt sich die Frage geradezu auf, warum eigentlich, wo doch binäre Optionen die angeblich todsichere Methode sind, garantiert Gewinn zu machen. Würde man die versprochenen Gewinne tatsächlich erzielen können, wäre das weit mehr, als man als Affiliate für eine Vermittlung bekommt.

Dass es dennoch Leute gibt, die als Affiliates für Tradingplattformen arbeiten, zeigt im Umkehrschluss, dass die versprochenen Gewinne dann wohl doch nicht so sicher sind, wie in den tollen Videos der Anschein erweckt wird. Denn sonst würde ich das Affiliate-Dasein ja wohl kaum lohnen. Ein weiteres Indiz dafür, dass etwas faul ist.

In Spammails, in denen für die Teilnahme am Affiliate-Modell eines Anbieters geworben wird, werden auch Zahlen genannt. So verspricht ein Anbieter zum Beispiel "bis zu 500 US$ CPA". CPA steht dabei für Cost per Action.

Binäre Optionen als Nachfolger von Casinospam

Nach Beobachtungen einiger Forenmitglieder der Plattform AntiSpam nimmt die Zahl der Spamails für Internet-Casinos in etwas in dem Maße ab, wie die Zahl der Spammails für Binäre Optionen zunimmt. Das legt den Schluss nahe, dass sich die Drahtzieher, die früher Online-Casinos per Spam beworben haben, nun auf Binäre Optionen umgestiegen sind. Wie im letzten Abschnitt festgestellt wird hier also illegales oder nur teilweise legales Glücksspiel auf anderer Ebene betrieben.

Über die Gründe dieses Umsattelns kann nur spekuliert werden:

Online-Casinos wurden zunehmend stärker reglementiert

In vielen Ländern wurden in den letzten Jahren strenge Regeln eingeführt, um den ausufernden Online-Markt für Internet-Casinos zu regulieren, die teilweise lokale Glücksspielreglementierungen unterliefen. So hat die USA zum Beispiel im Jahre 2006 durch den sog. Unlawful Internet Gambling Enforcement Act den Geldtransfer an Online-Casinos unter Strafe gestellt.

Einen leider nur englischsprachig verfügbaren Überblick über die Rechtslage in verschiedenen Ländern gibt die englische Wikipedia.

Die Umsätze in Online-Casinos sind vermutlich rückläufig

Leider findet man dazu keine belastbaren Zahlen, aber die schärferen gesetzlichen Regelungen haben in Verbindung mit Aufklärungsarbeit von Verbraucherschützern sehr wahrscheinlich zu einem Umsatzrückgang in Online-Casinos geführt. Der Markt ist also nicht mehr so lukrativ.

Casino-Spam hat sich abgenutzt

Immer besser werdende Spamfilter eliminieren heutzutage den allergrößten Teil von Casino-Spam. Die Flut der vergangenen Jahre hat bei den potentiellen Opfern zudem zu einem Gewöhnungseffekt geführt, weswegen Casino-Spam vermutlich immer weniger neue Kunden lieferte.

Der Wechsel zu binären Optionen gleicht daher dem sprichwörtlichen alten Wein in neuen Schläuchen, d.h. man kann nun wieder eine Weile lang relativ unbehelligt spammen und dabei auch Erträge verzeichnen.

Unterschiede zu klassischem Stockspam

Vor einigen Jahren war (Penny-)Stockspam groß in Mode. Per Spam wurde dafür geworben, in großem Stil sehr billige Aktien zu kaufen und von den so getrieben Kursen zu profitieren. Diese Methode war relativ durchsichtig.

Beim Spam für binäre Optionen wird deutlich subtiler vorgegangen. Die Gefahren und Verlustrisiken sind in etwa vergleichbar zu klassischem Stockspam, allerdings sind sie nicht so offenbar, denn Optionen aller Art sind verglichen mit Pennystocks teuer. Außerdem werden (nicht binäre) Optionen im großen Stil auf den globalen Finanzmärkten gehandelt, sind also vermeintlich vertrauenswürdige Anlageformen.

Und wo bei Stockspam es den Spamempfängern weitgehend selbst überlassen wurde, wie und wo sie die Schrottaktien erwerben, wird bei Spam für binäre Optionen das komplette Paket geliefert, inklusive Analysewerkzeugen, „Schulungen“ und Handelsplattformen.

Fazit

Spam für binäre Optionen ist der Glückspiel-/Casino-Wolf im Schafpelz. Es gibt keine belastbaren Gründe für die Annahme, dass man damit langfristig Gewinn macht. Wie beim jedem Casino, egal ob klassisch und legalisiert oder online und illegal, gewinnt am Ende immer nur die Bank, d.h. der Betreiber. Und der bleibt im Dunkeln.

Lassen Sie die Finger von binären Optionen! Ihr Geldbeutel wird es Ihnen danken!




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Diese Seite wurde zuletzt am 11. September 2016 um 07:57 Uhr geändert. Diese Seite wurde bisher 16.532-mal abgerufen.
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