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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Lotto-Team - Telefonsabbler-Verarsche...



Schnabelland
20.11.2006, 20:27
So - gerade mal wieder einen Sabbler drangehabt. Einen "Bernd" (Herr Bernd/t?), der "im Auftrag der Firma Lotto-Team" angerufen hat und mal wieder überteuerte Lotto-Spielgemeinschaften loswerden wollte. Also Finger sofort auf die Stoppuhr!

Hab ihn "nur" 8:29 Minuten in der Leitung gehalten, denn ich wollte natürlich alles nachrechnen. Daher schaltete ich in den:
<Naiv-Modus>
(Das nachfolgende Gespräch ist mangels Aufnahme nicht wörtlich übernommen, sondern entspricht meinem Gedächtnisprotokoll):
Ich: "Was, Sie geben 77 Spielfelder für mich ab?"
Sabbler: "Nicht Spielfelder, sondern Spielscheine!"
Ich: "Also 770 Tippreihen; wer füllt die bei Ihnen denn alle aus?"
Sabbler: "Das machen wir alles für Sie; aber wir geben Systemscheine mit 11 Kreuzen ab; das entspricht dann 924 Spielfeldern".
Ich: "Moment, das muss ich erst nachrechnen... mist, vertippt!.... moment... habs gleich... - nein, ich komm da auf 770 Spielfelder bei 77 Spielscheinen zu je 10 Reihen!"
Sabbler: "Ja, ein Spielschein hat ja auch 12 Reihen"
Ich: "Ach so... moment, dann muss ich nochmals rechnen... äh, ja... ähm - stimmt, 924 Tippreihen"
Sabbler: [...]
Sabbler: "...und Ihre Gewinnchance auf den 6er, die normalerweise bei 1 : 14,3 Millionen liegt, steigt dadurch um das 924-fache an..."
Ich: "Aber wie hoch ist die dann - moment, das rechne ich gleich mal nach... ähm, wie tipp ich das jetzt... Mist, der Taschenrechner hat nicht so viele Stellen; ich muss erstmal den Computer hochfahren und EXCEL anwerfen... kleinen Moment noch... habs gleich; Computer fährt noch hoch... so, jetzt noch EXCEL aufmachen... 924 mal höher als 14,3 Millionen, sagten Sie?... da, das Ergebnis: die Gewinnchance ist - 0? Wieso denn 0? Ach so, muss ja entsprechend viele Nachkommastellen zulassen... wie stellt man das jetzt nochmal ein... Ach so, ja, die Chance zu gewinnen liegt jetzt bei 0,0000646%!
Sabbler: "Aber das ist doch schon deutlich höher, und deswegen biete ich Ihnen jetzt mal an... (am liebsten hätte ich über diese wahnsinnig hohe Gewinnchance laut losgelacht, aber Naiv-Modus war ja noch an) sabbelsabbelsabbelganztollesAngebotSchickIchIhnenGleichMalZu... also 924 Spielfelder zu nur EUR 15,--! Jetzt überlegen Sie sich mal, was Sie für 924 Tippreihen so bezahlen!"

Da wurde es langsam Zeit für
</Naiv-Modus>
Ich: "Ja, spiele ich die denn alleine, oder in einer Tippgemeinschaft?"
Sabbler: "In einer Tippgemeinschaft, aber das ist ganz toll, denn wir haben die kleinsten Tippgemeinschaften in Deutschland!"
Ich: "Wie groß ist die denn?"
Sabbler: "Nur 180 Spieler!"
Ich: "Moment, muss da gerade mal wieder was ausrechnen..."

Und dann hab ich gerechnet: 924 Spielfelder zu je 0,75 EUR kosten zusammen EUR 693,--, zuzüglich Bearbeitungsgebühr (77 Scheine zu je EUR 0,30 = EUR 23,10) ==> insgesamt EUR 716,10. Wenn man das mit 180 Leuten teilt, dann sind das EUR 3,98 pro Person. Also:

Ich: "Wenn ich mich also mit 180 Leuten zusammenschließe, dann zahle ich gerade mal EUR 4,-- für 924 Spielfelder - wieso soll ich bei Ihnen EUR 15,-- zahlen?"
Sabbler: "Ja, aber bei uns sind doch die Chancen viel größer, als wenn Sie alleine spielen..."
Ich: "Ich spiele nicht alleine. Ich tu mich einfach mit 180 Leuten zusammen und gebe 924 Tippreihen ab - also genau das gleiche wie bei Ihnen. Dann zahlt jeder von uns nur EUR 4,--. Bei Ihnen muss ich aber EUR 15,-- zahlen! Was passiert denn mit den übrigen EUR 11,--?

Sabbler: (ca. 5 Sekunden Schweigen, dann kommentarlos aufgelegt).

Meine Folgerungen:
1.) Gegen fundierte Argumente sind die Sabbler wehrlos. Wenn man denen vorrechnet, dass ihr Angebot Müll ist, dann kommen sie erst mit unsachlichen Ausflüchten bzw. Lügen ("Aber bei uns sind doch die Chancen viel größer" - Nein! Sind sie NICHT! Ich baue genau die selbe Spielgemeinschaft zusammen, wie ihr, also habe ich genau die gleichen Chancen!), und dann wenn das nichts hilft, werden sie tatsächlich sprachlos (was ja bei dieser Spezies doch sehr selten vorkommt)!
2.) Wenn künftig mal wieder ein CCA hier behauptet, Angebote per Telefonmarketing seien günstig bzw. nicht teurer als im Laden, dann habe ich heute das exzellente Gegenbeispiel erlebt: Dieses Angebot war um ziemlich genau 277% teurer, als das selbe Angebot in der Lottoannahmestelle! Deswegen wird es auch per ColdCall-Überrumplung verkauft - bei gründlichem Nachdenken (und Nachdenken) würde den Quatsch ja niemand kaufen!
3.) Wenn die CCAs hier künftig Höflichkeit einfordern, können wir das auch nicht mehr ernst nehmen. Der o.g. Sabbler brachte ja noch nicht mal ein "Auf Wiedersehen" heraus, bevor er auflegte...
4.) Wer künftig von einem Lotto-Spielgemeinschafts-Heini angerufen wird, der kann ja jetzt in diesem Beitrag nachschlagen, wie er rechnen muss, um dem CCA zu zeigen, dass sein Angebot Müll ist...

Gruß

Schnabelland

Skeeve
20.11.2006, 21:15
Menno! Ich weill Dich endlich wieder bewerten können! Fühl Dich bitte von mir positiv bewertet! Das ist ja mal wieder vom Feinsten, was Du da vorgerechnet hast.

streets
21.11.2006, 10:40
Dann mach ich das halt mal stellvertretend für Skeeve. Respekt Schnabelland *g*

Call-Center Fresser
21.11.2006, 12:04
Das Lesen des Gespräches hat viel Spass gemacht! :D

Dabei fällt mir folgendes ein: Wenn ich mich richtig erinnere (und ich habe nur sehr wenige Aussetzer:clown: ) dann ist bei Tippgemeinschaften seit Juli 2005 nur eine maximale Gebühr von 1/3 des Spieleinsatzes erlaubt. Ich muss nochmal schauen, dass ich die Information definitiv bekomme. Falls jemand dazu einen Link parat hat wäre auch nicht schlecht.

Da du den tatsächlichen Einsatz so perfekt heraus gerechnet hast ,wohl zum ausgesprochenen Verdruss des Telefonsabblers, ist die nächste interessante Frage : ist 11/15 nicht etwas mehr als 1/3? (Call Agents bitte nicht versuchen mitzurechnen:p )

Investi
25.11.2006, 11:30
Es handelt sich hierbei um den Lotteriestaatsvertrag, der ab dem 01.07.2005 vorschreibt, daß mindestens 2/3 für den Spieleinsatz zu verwenden sind. Die Regelung findet sich in § 14 Abs. 2 Ziff. 3 (http://lotteriestaatsvertrag.de/lese.php?14).

In diesem Zusammenhang sind besonders die Ziffer 1


Art und Umfang der Werbemaßnahmen für die Beteiligung an den vermittelten Spielen oder Spielgemeinschaften müssen angemessen sein und dürfen nicht in Widerspruch zu § 1 stehen. Sie dürfen nicht irreführend sein und insbesondere nicht darauf abzielen, unzutreffende Vorstellungen über die Gewinnchancen hervorzurufen.

sowie die Ziffer 5 des gleichen Absatzes/Paragrafen interessant:


Gewerbliche Spielvermittler sind verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass bei Vertragsabschluss ein zur unabhängigen Ausübung eines rechts- oder steuerberatenden Berufes befähigter Treuhänder mit der Verwahrung der Spielquittungen und der Geltendmachung des Gewinnanspruches gegenüber dem Veranstalter beauftragt wird. Dem Spielteilnehmer ist bei Vertragsabschluss ein Einsichtsrecht an den Spielquittungen, die in seinem Auftrag vermittelt worden sind, einzuräumen.

Efeustute
16.01.2008, 14:30
Das ist schön kalkuliert, allerdings gilt: es funktioniert, und zwar sehr gut, seit Jahren, und noch für viele Jahre. Verkaufen ist eine Kunst. Es gibt Schlimmeres.

Liquid-Sky-Net
16.01.2008, 15:02
Wenn ich keine Lust habe, hilft auch ein kurzes
"OK, aber ich werde das Gespräch mitschneiden, wenn sie damit nicht einverstanden sind, legen sie bitte auf". Zu 90% wird gleich aufgelegt, bei 5% wird kurz nachgefragt und dann aufgelegt und 5% ... naja, da lege ich auf :D