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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rechtlich abgesichert?



zigzag
28.03.2007, 22:46
Hallo,
da ich Student bin und demnach (fast) immer pleite bin, habe ich bei einem Call Center angefangen. Die Chefin sagte mir, es wäre rechtlich alles abgesichert, da sämtliche Kunden ihr Einverständnis gegeben hätten, sei es in Form von Gewinnspielen, Paybackkarten oder Versandbestellungen. Heute habe ich mich ein wenig Im Netz umgeschaut und habe fest gestellt, dass es wohl doch nicht so 100% rechtens ist. Jetz möchte ich einfach wissen, arbeite ich illegal, kann mir als Person etwas passieren? Bitte wenn möglich mit Angabe der Gesetzestexte.

Danke für eure Hilfe und bitte nicht persönlich werden, wie gesagt ich brauch das Geld dringend, werde mich aber nach Alternativen umsehen, sollten meine Befürchtungen wahr sein.

Woods
28.03.2007, 23:00
Falls Du mal gefragt wirst- und auch wenn nicht-, gib bitte Namen und Adresse Deines CC an.

Als Person direkt dürfte Dir eigentlich nichts passieren, da du ja als Angestellter Weisungsgebunden bist. Die Verantwortlichkeit liegt da in erster Linie bei Deinem Chef, solange Du aus den äußeren Umständen nicht annehmen mußt, etwas illegales zu tun, aufgefordert wirst, Abschlüsse zu fingieren oder Kunden weichzuquatschen.

zigzag
28.03.2007, 23:05
Hmm Adresse und Telenr. dürfen nicht herausgegeben werden. Kunden weichquatschen, wir sollen bei einem Nein nochmal nachfragen, allerdings scheu ich mich meistens davor, da ich darauf keine Lust habe.
Naja so wie es aussieht werde ich dort eh bald nicht mehr sein, meine Abschlüsse sind zu schlecht und ganz ehrlich abgesehen von dem Eindringen in die Privatsphäre ist diese Art von Art unglaublich langweilig und stupide

blizzy
28.03.2007, 23:05
...da sämtliche Kunden ihr Einverständnis gegeben hätten, sei es in Form von Gewinnspielen, Paybackkarten oder Versandbestellungen....

Keines der von dir genannten "Einverständnisse" berechtigt zu Anrufen, auch wenn die Callcenter dies gerne weismachen wollen.

Links zu entsprechenden Urteilen wurden schon oft im Forum veröffentlicht, deshalb werde ich sie hier nicht wiederholen.

blizzy
28.03.2007, 23:09
Als Person direkt dürfte Dir eigentlich nichts passieren, da du ja als Angestellter Weisungsgebunden bist.

Ob das so stimmt? Auch wenn er weisungsgebunden ist, muss und darf er nichts illegales tun, wenn dies von ihm verlangt wird, zumal er ja erkannt hat, dass da nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Im Gegenteil, wenn illegale Handlungen gefordert werden, darf man diese verweigern, ohne arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen. Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob die "Tätigkeit" fortgesetzt werden soll.

blizzy
28.03.2007, 23:10
Hmm Adresse und Telenr. dürfen nicht herausgegeben werden.

Ist ja schon mal ein "gutes" Zeichen. Wenn alles seriös sein soll, warum dann diese Heimlichtuerei? Sollte einem doch zu denken geben.

Woods
28.03.2007, 23:22
...solange Du aus den äußeren Umständen nicht annehmen mußt, etwas illegales zu tun ...


LIES doch bitte meinen Beitrag noch einmal durch.

Strafrechtlich wird er wohl kaum Angestifteter oder Gehilfe sein, wenn er keinen eigenen Vorsatz in dieser Richtung hat.

Zivilrechtlich ist er entweder Erfüllungs- oder Verrichtungsgehilfe und die haften gar nicht (selbst) oder auch nur für Vorsatz und Grobe(?) Fahrlässigkeit.

blizzy
28.03.2007, 23:34
LIES doch bitte meinen Beitrag noch einmal durch.


Habe ich, auch ohne dass du laut werden musstest;) .


solange Du aus den äußeren Umständen nicht annehmen mußt, etwas illegales zu tun,

Und ganu das nimmt er an, da er Fragen dazu stellt.

Woods
29.03.2007, 00:04
Schön, daß Du mir am Ende doch zustimmst. :)

Ich wollte nicht "laut" werden, ich nahm lediglich an, daß Du da vielleicht etwas übersehen hast. ;)

Wenn er schon annimmt, etwas illegales zu tun, dann erübrigt sich im Prinzip auch seine Frage, ob ihm persönlich etwas passieren könne, da seine Handlung dann ja haftungsbegründend ist.
Entweder tut er dann etwas illeglaes, von dem er weiß das es illegal ist und ist damit einverstanden oder er tut etwas illegales, von dem er nicht weiß, daß es illegal ist, es auch nicht wissen konnte und auch nicht wissen mußte- da sind wir bei der Erklärung des Chefs, die Einverständnisse der Kunden lägen vor- und muß dann auch nicht persönlich haften.

Mal ein Beispiel: Wenn der Malermeister seinen Gesellen anweist, die Hauswand des A zu streichen, der Geselle das auch tut und sich dann herausstellt, es war die Wand des Nachbarn B, muß dann der Geselle Schadensersatz zahlen?
Ändert sich was daran, wenn der Malermeister wußte, daß es die falsche Hauswand war?

Einen CC-Agent persönlich zu belangen wird aber schon aufgrund der Beweislange nahezu unmöglich sein. :rolleyes:

blizzy
29.03.2007, 01:18
An den anonymen Bewerter:

Was wolltest du mir mit
das Gleiche in Grün sagen?

Woods
29.03.2007, 01:22
sorry, das war wohl ich.

Du sagst, ich hätte unrecht und behauptest im Prinzip das Gleiche in etwas anderen Worten.
Das bedeutet: Das Gleiche In Grün

blizzy
29.03.2007, 01:26
Einen CC-Agent persönlich zu belangen wird aber schon aufgrund der Beweislange nahezu unmöglich sein. :rolleyes:

Das ist ja gerade das Problem:


Hmm Adresse und Telenr. dürfen nicht herausgegeben werden.

Warum, glaubst du wohl, scheuen die CallCenter davor zurück, sich zu outen? Weil sie genau wissen, dass sie was Illegales tun. Weshalb soll man es den Opfern leicht machen, die Täter zu identifizieren?

blizzy
29.03.2007, 01:40
Das Beispiel mit dem Malergesellen widerspiegelt nicht gerade die Lage eines CCA.

Das Streichen einer Hauswand dürfte selbst unter falschen Angaben des Malermeisters (falsches Haus, falsche Farbe) keine illegale Tätigkeit des Gesellen darstellen (gleichwohl muss der Hausbesitzer, dessen Haus irrtümlich gestrichen wurde, diese unbestellte Leistung nicht bezahlen, kann sogar die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes verlangen). Verlangt der Malermeister jedoch vom Gesellen, an Häusern oder anderen Objekten bei Nacht und Nebel Graffitis anzubringen, kann der Geselle davon ausgehen, dass diese Tätigkeit illegal ist. Befolgt er die Weisung des Meisters, macht er sich mitschuldig, kann jedoch die Tätigkeit ablehnen, ohne offizielle arbeitsrechtliche Konsequenzen befürchten zu müssen.

Bei den "Arbeitsanweisungen", die Methadron von von seiner Chefin erhalten hat (guckst du hier (http://www.antispam-ev.de/forum/showpost.php?p=106534&postcount=3)), muss er davon ausgehen, etwas illegales zu tun, zumal er sich bezüglich seiner "Tätigkeit" informiert hat und selber festgestellt hat,
dass es wohl doch nicht so 100% rechtens ist

scharnhorst
29.03.2007, 08:33
####-
Spaß am telefonieren. Wir suchen Call Agents 26.03.07

Name: B&L Dienstleistungen
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Wir telefonieren zur Zeit outbound für verschiedene Produkten und führen gelegendlich Promotionen durch, an denen Sie sich dann auch gerne beteiligen können, wenn die Basis vorhanden ist.
Da wir in unserem Hause Telefonschulungen und Produktschulungen durchführen, sind Vorkenntnisse nicht zwingend notwendig, jedoch Deutsch in Wort und Schrift erforderlich.




zur druckfreundlichen Version Druckfreundliche Version


Name: Timecon office GmbH & Co. KG
Text: Unser Kunde, ein renommiertes Dienstleistungsunternehmen, sucht für diverse Projekte am Standort Hamburg ab sofort oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt

Kaufleute m/w, Wiedereinsteiger m/w, Berufsanfänger m/w, Quereinsteiger m/w, Studenten m/w in Voll- oder Teilzeit für die telefonische Kundenbetreuung


www.timecon.de



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Name: Kraft Personaldienstleistungen
Text: Callcenter-Agent/in Profi gesucht, zwecks
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Name: Nortia Dialogmarketing
Text: Ich suche für mein Büro in der Bremer Innenstadt noch Call Center Agent / Outbout.


Call Center Agents (m/w) per sofort, Vollzeit 21.03.07

Name: TIEMPO Personal Leasing GmbH
Text: Als einer der führenden Anbieter im Personal Leasing Bereich im norddeutschen Raum, suchen wir ab sofort CALL CENTER AGENTS m/w auf Vollzeitbasis für einen unseren namenhaften Kunden im Versandhausbereich.



Call-Agents aufgepasst !!! 20.03.07

Name: M.C.B. Marketing & PR
Text: Wir suchen für diverse outbound-Projekte, Agents mit oder ohne Erfahrung. Sehr gute Bezahlung, angenehmes Arbeitsklima. Sie sollten Spaß am Telefonieren haben.Kein Lotterie oder Abo. Voll.- Teilzeit



Anmerkung zu den Daten. sämtliche Stellenanzeigen sind auf Bremen.de veröffentlicht.

adHOC
29.03.2007, 09:11
Als Student kenne ich diese Aushänge / Stellengesuche zu genüge; Studienkollegen, die auf diese Anzeigen hereinfallen, merkten bereits im Vorstellungsgespräch, das hier was nicht stimmen kann und haben sich nach einem "seriösen" Job umgesehen, der darüber hinaus auch noch besser in ihr Portfolio passt. Ich sehe dies im übrigen genauso wie bereits angesprochen: Wer als Arbeitgeber seinen Angestellten Maulkörbe verpasst, erweckt bei mir nicht umbedingt den Anschein, das er seriös agiert. Wem nutzt die Anonymität? Doch noch nur dem Call-Center-Betreibern, weil sie wissen, das ihre Unternehmensstrategie sich nicht mit geltendem Recht vereinbaren lässt. Einzig und allein die Anonymität der Call-Center (Unterdrückte Rufnummern, Falschaussagen bei Nachfrage, Betrug durch bewusste Informationsverschleierung) schützt sie vor der Strafverfolgung.

In ganz wenigen Fällen handelt es sich bei den Call-Center-Jobs um opt-in-Gespräche, z.B. Telefonsupport für Unternehmen, Verkaufsabwicklung von Versandhäusern usw. Selbst hier ist in meinem grünen Auge die Anonymität hinderlich für den Servicegedanken des Kunden; wenn ein Betroffener Kunde bereits zum 3. Mal mit einem Servicemitarbeiter wegen eines Problems geredet hat, kann der Mitarbeiter zwar die Informationen der Gespräche in einer Inhouse-Verwaltungssoftware eingetragen haben und theoretisch sollte jeder andere Mitarbeiter den Kunden unmittelbar weiterhelfen können; in der Praxis aber muss man zumeist wieder bei Null anfangen und dem neuen Ansprechpartner wieder alles von vorne erklären. Hier würde ein klientenspezifischer Helpdesk wesentlich effektiver arbeiten, wenn man konkret einen Supportmitarbeiter kontaktieren kann. Einzelne Unternehmen (z.B. Dell) haben bereits ihren Support personalisiert, man redet / chattet mit einer überschaubaren Anzahl von Personen.

Gruss

adHOC

Wuschel_MUC
29.03.2007, 09:43
arbeite ich illegal, kann mir als Person etwas passieren?
Ich hoffe, du bist Gewerkschaftsmitglied und kannst dich dort ggf. beraten lassen. Wenn nicht: gleich nachholen.

Was dir leicht passieren kann: du fliegst unter einem Vorwand raus und darfst deinem Geld nachlaufen.

Ich würde an deiner Stelle systematisch Informationen über diese Klitsche sammeln und mit möglichst vielen Arbeitskollegen Adressen tauschen. Irgendwann kannst du diese Informationen verwenden. Es gibt genug Verbraucherschutz-Sendungen, die über solche Informationen dankbar sind und womöglich sogar Honorar zahlen. Dein Name taucht nur auf dem Scheck auf.

Wenn du gekündigt werden willst, brauchst du nur den Namen des Callcenters an einen Angerufenen zu verraten. Beklagt sich der bei der Wettbewerbszentrale, löhnt die Firma und darf eine Unterlassungserklärung unterschreiben. Das zwickt!

Kopf hoch - wenn der Hals auch dreckig ist!

Wuschel