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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Cold Call´s im Gewerbe



Massivholzwurm
02.05.2007, 12:49
Erst mal ein Hallo hier in´s Forum.
Aus aktuellem Anlass habe ich mich hier eingefunden und nach etwas stöbern gleich angemeldet.
Als Inhaber einer kleinen Schreinerei bekomme ich mindestens 4-5 Anrufe pro Woche von allem möglichen Firmen. Hier ist das volle Spektrum abgedeckt. Von kostenlosen Probierwochen für alle möglichen Geräte, Telefonverträge, Adresseinträge bis hin zu Softwarefirmen welche mir Ihre Brachensoftware verkaufen wollen. Von Faxen bleibe ich (noch) verschont.
Oft wird hier mit den bekannten Tricks gearbeitet wie u.a.
"...sie haben ja hier bei uns einen Eintrag....wollen Ihre Daten überprüfen ...bitte korrigieren Sie mich wenn ich falsch liege oder sich Daten geändert haben....alles klar, Danke .... Bestätigung von meiner/m Kollegen/in..."
Kurz darauf Rückruf von Kollegen/in
"... sie haben heute bei meiner/m Kollegen/in Ihren neuen Eintrag bestellt....Rechnungsdaten etc...."

Zu meinem Anliegen:
Kann ich mich als Betrieb gegen solche Anrufe wehren.
Selbst wenn ich es von Anfang an merke um was es geht kostet es doch immer zumindest Zeit den Anruf zu beenden.
Selbst bei "kein Interesse" meinerseits kommt ja immer das Argument "hören sie es sich erst an... kostet Sie nichts... unverbindlich... sehen Sie dann immer noch...."
Kann ich z.B. sagen "Aufgrund des Beschluss xy / verordung 23 bitte ich Sie mich nicht mehr anzurufen und das Gespräch zu beenden!" ?

Ich hoffe mir kann hier jemand weiterhelfen - Danke schon mal.
Grüsse vom Massivholzwurm

Nebelwolf
02.05.2007, 13:28
Hallo Massivholzwurm!

Die Cold Calls sind bis auf wenige Ausnahmen verboten! Wenn man die Anrufer ermitteln kann, kann man Unterlassung einfordern. Ist natürlich nicht immer einfach, zu vielen Deiner Quälgeister wirst Du hier im Forum Informationen finden und natürlich auch Beispiele, wie man sich erfolgreich zur Wehr setzt.

Schöne Grüße
Nebelwolf

Call-Center Fresser
02.05.2007, 16:05
Hallo Massivholzwurm! (nicht der uninteressanteste nick :D )

Hier einfach mal noch ein bisschen Lektüre.

http://www.jurablogs.com/de/telefonwerbung-bei-gewerbetreibenden-1

Frage doch nach einem Angebot. Ich bin überzeugt, auch in Deiner Region gibt es den einen oder anderen Anwalt, der mal ein bisschen Kohle verdienen möchte. ;) Wenn so ein CCA das Dollarzeichen im Auge hat, weil es vielleicht um einen größeren Auftrag gehen könnte, schickt er sicher auch ein Angebot, so dass Du die Anschrift hast. (oder gleich die Ware, was aber noch wesentlich dümmer wäre)

Massivholzwurm
02.05.2007, 19:14
@ Call-Center-Fresser

na der Link ist doch eine Ansage.
Da kann ich schon was anfangen damit.
Danke vorerst!

Gruss vom Massivholzwurm

Stefan88
03.05.2007, 22:10
Auch ich bekomme manchmal kleine Firmen, die ich anrufen soll. Wenn ich lese "Schreinerei" klicke ich das gleich weg. Das ist für mich "falsche Zielgruppe". Gut, wenn ich einen Lehrling in die Schreinerei zum vermitteln hätte, würde ich anrufen, aber ich vertreibe andere Sachen.
Ich biete nur die Produkte an Leute an, wo ich eine Chance zum Erfolg sehe. Keine unnötigen Anrufe, ich komme sowieso auf mein bescheidenen Festlohn.

Wenn mir einer gleich am Anfang sagt, kein Interesse und keine Zeit, dann ist für mich das Gespräch vorbei. Bei einem Brancheneintrag sollte für einen Unternehmer Interesse da sein, schließlich geht es da um Werbung und den Bekanntheitsgrad des Unternehmens. Nicht umsonst ist das Anbieten eines Branchenbucheintrags beim Unternehmen ausdrücklich erlaubt.

Das Problem ist, daß bei sehr kleinen Firmen die Anrufe sich nicht verteilen, wie bei großen Firmen und beim Mittelstand, so daß schon m.E. eine erhebliche Störung vorliegt.
M.E. ist am besten, den Call-Agenten zu bitten, klar "Kein Interesse" und "Keine Zeit" zu sagen, und das er die Daten rausnimmt, weil sie an Tele-Marketing kein Interesse haben. Als Dienstleister werde ich dann dieser Bitte entsprechen.
Wir haben Möglichkeiten, einen Adresssatz für längere Zeit verschwinden zu lassen, so daß sich die Anrufe auf ein erträgliches Maß reduzieren lassen.

mareike26
03.05.2007, 22:26
Eine Unterlassungserklärung ist wirksamer und ärgert die Nervensägen zudem noch. :D
Und jetzt bitte keine Diskussion über die Illegalität von Cold Calls im gewerblichen Bereich anfangen. Die Rechtslage ist einwandfrei geklärt und bedarf keiner weiteren Erörterung.

Dotshead
03.05.2007, 22:39
Bei einem Brancheneintrag sollte für einen Unternehmer Interesse da sein, schließlich geht es da um Werbung und den Bekanntheitsgrad des Unternehmens. Nicht umsonst ist das Anbieten eines Branchenbucheintrags beim Unternehmen ausdrücklich erlaubt.

Ich weiß nicht woher du deine Weisheiten hast, zumindest der Bundesgerichtshof, sieht es augenscheinlich anders:

http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2006&Sort=3&nr=37994&pos=1&anz=166

Call-Center Fresser
04.05.2007, 10:55
Nicht umsonst ist das Anbieten eines Branchenbucheintrags beim Unternehmen ausdrücklich erlaubt.



Mein Gott.......ES ist wieder da. :sick:

Stefan88
04.05.2007, 22:41
http://www.recht-in.de/urteile/urteilzeigen.php?u_id=111015


II. Die gegen diese Beurteilung gerichteten Angriffe der Revision haben Erfolg.

Sie führen zur Abweisung der Klage.

Die Werbemaßnahme der Beklagten für Erweiterungen des (kostenlosen) Grundeintrags in ein Branchenfernsprechverzeichnis um entgeltpflichtige Zusätze oder Anzeigen ist auf der Grundlage der erforderlichen Gesamtbetrachtung aller Umstände nicht als unzulässige Telefonwerbung sittenwidrig i.S. des § 1 UWG.

Danke, besser hätte ichs auch nicht formulieren können.

Stefan88
04.05.2007, 22:51
@Dotshead

Du hast Recht, es gibt solche und solche Fälle.
Es kommt immer auf den Fall drauf an, im gewerblichen Bereich - auf den Einzelfall. Seriös agierende Call-Center sind da bei Urteilen im Vorteil, gegenüber CallCentern, die nicht nur sittenwidrig gegenüber Marktteilnehmern und Verbrauchern handeln, sondern auch gegen die Mitarbeiter.

Noch zwei Anmerkungen:

a) Gewerbetreibende sind keine Verbraucher, sondern Marktteilnehmer. Und somit fallen die Regelungen, die die Verbraucher betreffen, schon mal raus.

b) Bin ich dafür, die "schwarzen Schafe" im Call Center Markt zu bekämpfen, damit a) die Werbeanrufe weniger werden und die Marktteilnehmer aufgeschlossener werden b) die Qualität und die Angebote besser werden

Arthur
04.05.2007, 22:53
http://www.recht-in.de/urteile/urteilzeigen.php?u_id=111015

Die zitierte BGH Entscheidung ist Schnee von vorgestern (2004)

zumindest der Bundesgerichtshof, sieht es augenscheinlich anders:
http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=pm&Datum=2006&Sort=3&nr=37994&pos=1&anz=166
dieses BGH Urteil ist von 2006

mareike26
04.05.2007, 22:54
Ich habe gesagt, dass ich hier keine Grundsatzdiskussion zum Thema "erlaubt oder nicht" dulde. Das Thema wurde bereits in anderen Threads bis zum Erbrechen diskutiert und breitgetreten und bedarf keiner weiteren Klärung.
Dieser Thread soll einzig und allein Vorgehensweisen bei gewerblichen Cold-Calls abklären.