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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : DH-Marketing "Die Siegerchance" - "Entschädigungszentrale Krefeld "



Paul-KR
23.03.2012, 08:31
So, ich war jetzt mal bei der Polizei in Krefeld.
Vorweg: Die sind örtlich zuständig für die Verfolgung von Straftaten, die im Bereich der Behörde Krefeld begangen werden, egal, wohin sich diese Straftaten auswirken. Also auch für Betrugsversuche per Telefon, die von dort aus stattfinden, wie hier die Anrufe der "Entschädigungszentrale".
Das Gleiche gilt analog übrigens für alle anderen Polizeibehörden im Land.

Dass ColdCalls unzulässig sind und seitens der BNA verfolgt wrden sollten, ist hier ja zur Genüge nachzulesen.
Dass mit diesen ColdCalls aber auch Straftaten einhergehen, hat sich leider auch bei der Polizei und den Staatsanwaltschaften noch nicht so sehr herumgesprochen. Ist aber so und muss auch verfolgt werden.

Wenn also jemand anruft und dem Angerufenen gegenüber behauptet, er würde bereits an Gewinnspielen teilnehmen, dann ist das schonmal eine bewusste Täuschung. Das Gleiche gilt, wenn behauptet wird, man könne dafür sorgen, dass man nicht mehr angerufen wird. Oder es meldet sich die "DSC Entschädigungszentrale"... Das Gespräch beginnt mit "wir hatten ja schon vor geraumer Zeit telefoniert und vereinbart, dass..." Hier soll der Eindruck erweckt werden, es handele sich nicht um einen ColdCall. Weiter gehts mit "sie haben in der Vergangenheit ja schon an mehreren Gewinnspielen teilgenommen und nie etwas gewonnen...und sie haben ja auch gesagt, dass sie nicht mehr angerufen werden wollen...", weiter: "wir haben nun eine Lösung für sie" OBACHT !
Jetzt soll der Angerufene glauben, er habe endlich Ruhe und meistens ist er in den vergangenen Tagen, Wochen oder Monaten ja auch tatsächlich mit hunderten Anrufen genervt worden... Er ist zu Allem bereit, um endlich seine Ruhe zu haben. Und jetzt ruft auch noch die (hoch offiziell wirkende) Entschädigungszentrale" an. Das Gehirn schaltet ab, besonders bei älteren Menschen... "Sie haben nun für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit, letztmalig gegen Zahlung einer Kaution (Teilnahmegebühr wird nicht mehr verwendet) an 200 Gewinnspielen teilzunehmen. Sollten sie nicht gewinnen, erhalten Sie das Geld in Form eines Geschenkes zurück, es geht ihnen also nichts verloren. Damit sie sicher sind, vereinbaren wir nun ein Kennwort, dass nur sie und wir wissen (!). Ich brauch dann mal eben Ihre Daten zum Abgleich..."
Dieser ganze Kram wird dann aber so schnell dahingequatscht, dass man kaum was mitbekommt.
Weiter: Es ruft sie gleich ein Kollege an, der mit Ihnen die Daten abgleicht (nachfragt, ob sie mit dem Gespräch zufrieden waren, oder so) Da die Anrufzeit begrenzt ist, antworten Sie am besten nur mit "ja".
Es folgt tatsächlich ein Anruf, in dem von einer Entschädigung nicht mehr die Rede ist. Fragt man hier nach und bringt die Entschädigung ins Gespräch, wird ganz offen gesagt, dass es sich um ein Gewinnspiel handelt. Auch das Versprechen, dass die Anrufe enden oder so wird hier nicht bestätigt. Dieses Gespräch wird aufgezeichnet und wirkt für sich betrachtet "sauber". In den meisten Fällen fragen die genervten Leute aber gar nicht nach und überhören solche Hinweise wie "sie haben sich entschieden, für drei Monate bei uns teilzunehmen... ist das richtig?" Man nennt auf Aufforderung seine Bankdaten und gibt damit vermeintlich nach momentan noch geltendem Recht seine Zustimmung zur Abbuchung. (hier empfiehlt sich die Nachfrage bei einem Fachanwalt für Bankenrecht) Man muss selber kündigen, sonst endet es nicht. Aber an wen richtet man seine Kündigung? Das angekündigte Begrüßungsschreiben kommt oft gar nicht an. Hierin sollte eigentlich auch stehen, wie man an sein Geschenk kommt, wenn man nicht gewinnt. Und was von Reisegutscheinen zu halten ist, weiß man ja inzwischen auch... :-(

also mein Tip: Den Verlauf der Gespräche dokumentieren (am besten aufzeichnen, sonst aufschreiben), Anrufzeiten, Anrufernamen, Firma und Rufnummer notieren, was wurde im ersten und was im zweiten Gespräch verspochen? Erst im zweiten Gespräch begrenzt nachfragen (an wen wende ich denn ggf. meine Kündigung? Faxnummer? wie kann ich sie erreichen?) Bei "ich fasse das Ganze jetzt noch mal für sie zusammen..." die Ohren aufsperren, vielleicht auch mal nachfragen, wenn man was nicht verstanden hat und gerne darum bitten, dass er langsamer sprechen soll! Das nervt ihn! :-D Wer mutig ist, Ruhig im Vertragsgespräch, dem sog. "QualityCall" erstmal zustimmen (nur, wenn eine Kontaktmöglichkeit genannt wurde. Nicht auf eine Internetseite oder schriftliche Unterlagen verweisen lassen, denn die hat man ja noch gar nicht), aber dann gleich den Widerruf rausschicken (z.B. "Hiermit widerrufe ich form- und fristgerecht den am (Datum) um (Uhrzeit) telefonisch mit "Die Siegerchance" vereinbarten Vertrag zur Gewinnspielteilnahme und bitte um Bestätigung. Oder "vielen Dank für Ihr Angebot zur Teilnahme an der "Die Siegerchance", welches ich hiermit ablehne. Eine ggf. erteilte Einzugsermächtigung widerrufe ich hiermit.)
Spätestens, wenn nach einer Woche keine Bestätigung kommt und/oder dennoch abgebucht wird, bei der Bank zurückbuchen lassen und die Polizei in Krefeld kontaktieren. Dort sämtlche Unterlagen und Protokolle vorlegen und Strafantrag stellen. Es steht zumindest der Verdacht des Betrugsversuchs im Raume.

Das klingt jetzt alles recht aufwändig, ist es auch, aber je mehr dieser Anzeigen der Polizei vorliegen, desto schwerer haben es diese schrägen Typen, sich vor Gericht herauszureden... Und das werden sie sicher irgendwann müssen.

Auch diejenigen, die die ganzen Anrufe schon hinter sich haben, denen Geld abgebucht wurde, auch, wenn es zurückgebucht werden konnte... erstattet Anzeige!

Fragen? Immer her damit...

deekay
23.03.2012, 09:17
Da die Anrufzeit begrenzt ist, antworten Sie am besten nur mit "ja".

Nö...wieso sollte ich. MEINE Taktik ist, den Anrufer so lange in der Leitung zu halten wie es geht um so viele Daten zu bekommen wie möglich

Paul-KR
23.03.2012, 09:35
Nö...wieso sollte ich. MEINE Taktik ist, den Anrufer so lange in der Leitung zu halten wie es geht um so viele Daten zu bekommen wie möglich

So ist's recht! DIE wollen ja, dass du nur mit "ja" antwortest... ;-)

cmds
23.03.2012, 10:01
Nett kommt immer, wenn man gefragt wird, ob man mit der Aufzeichnung des Quality Calls einverstanden ist, zu sagen, aus Gleichheitsgründen werde ich es auch aufzeichnen!
*tüüüt-tüüüt-tüüüt*

thomas1611
23.03.2012, 10:03
derzeit versuche ich mich im Call/Quallity-Call Ping Pong - nach dem 4. Mal war's kaputt(haben aufgegeben)
In letzter Zeit hat die Aufzeichnungsankündigung genau garnix bewirkt außer einem Ok - die hörne das vermutlich öfter

Paul-KR
23.03.2012, 12:15
Letztlich ist es das beste, gleich wieder aufzulegen und sich im Zweifel ne neue (Geheim)nummer zuzulegen, die man auch wirklich nicht rausgibt. Niemals irgendwelche Angaben am Telefon zu machen. Damit hat man am wenigsten Ärger. Und diese Verhaltenstipps müssen verbreitet werden, denn wo keiner auf die Masche reinfällt, wendet sie auch keiner mehr an.
Aber wenn man die nerven, sich selbst den Spaß gönnen will, kann man das Spielchen ja ne Weile mitmachen. Doofe fragen stellen. Schon den ColdCall aufzeichnen (nach Ankündigung natürlich: Das Gespräch wird zu Ihrer und meiner Sicherheit aufgezeichnet, damit sind Sie einverstanden, ja? :-D).
Verwirrende Angaben zur Person machen... Der Phantasie sind da sicher keine Grenzen gesetzt.
Aber wenn doch abgebucht wurde und man sich betrugen fühlt, sollte man wirklich zur Polizei gehen oder online Anzeige erstatten.

Mittwoch
23.03.2012, 13:55
Und diese Verhaltenstipps müssen verbreitet werden, denn wo keiner auf die Masche reinfällt, wendet sie auch keiner mehr an.
Siehe Kategorie:Telefon-Spam. Dort kann man ziemlich viel von dem nachlesen, was du beschreibst, inklusive Tipps, die vielleicht dazu beitragen, die Flut der ColdCalls einzudämmen.

Dass die Strafverfolgungsbehörden sich mit der Materie ColdCalls nicht auskennen, ist nichts wirklich Neues. Aus deren juristischer Sicht werden die Anzeigen, die BürgerInnen manchmal auch mit erstaunlicher Detailgenauigkeit zu Protokoll bringen, in 19 von 20 Fällen eingestellt, da der vermeintliche Täter nicht zweifelsfrei zu ermitteln ist und/oder der Verstoß zu gering ist. Um ganz ehrlich zu sein, kann ich das sogar nachvollziehen. Immerhin tun ColdCaller alles, um nicht identifizierbar zu sein. Wenn man als Betroffener also nicht gerade eine (nicht wirklich preiswerte) Fangschaltung hat, trägt man nur einen weiteren Fall zu Statistik bei. Nichtsdestotrotz sollte man auf jeden Fall Anzeige erstatten, denn erst, wenn ColdCalls es in der Kriminalstatistik auf den vorderen Rang schaffen, der angesichts der Millionen von jährlichen ColdCalls angemessen wäre, haben Verbraucherschützer ein gutes Argument, die Politik zum Handeln zu bewegen.

Uns fehlt in Deutschland eine richtige Aufsichtsbehörde, die empfindliche Strafen verhängen würde. Die BNetzA könnte das zwar, tut es aber nicht, warum auch immer. Das mag auch am Lobbyismus liegen, den Telefonterroristen dank ihrer reichlichen Einnahmen in einer Art und einem Umfang betreiben können, von denen Verbraucherschützer nur träumen können.

Schönen Gruß
Mittwoch

Sastef
23.03.2012, 14:32
In letzter Zeit hat die Aufzeichnungsankündigung genau garnix bewirkt außer einem Ok - die hörne das vermutlich öfter
Okay, dann mach doch mal die nächste Stufe. Aufzeichnungs- und Veröffentlichungsankündigung. Dann die ganzen Schweinereien online stellen.

Sastef
23.03.2012, 14:36
aus Gleichheitsgründen werde ich es auch aufzeichnen!Da musste auf den Spruch von "zu Ihrer und unserer Sicherheit werden wir aufzeichnen" antworten "Das ist aber sehr nett von Ihnen, das beruht ja auf Gegenseitigkeit." Sollte für die Aufzeichnungsgenehmigung reichen. Da die nur von Ihrem Leitfaden ablesen und meist dumm wie Brot sind, sagen sie oft trotzdem einfach ja und machen weiter.

Paul-KR
27.03.2012, 11:11
Der ColdCall als solcher ist ja noch keine Straftat, sondern wird (aufgrund der Masse der eingegangenen Meldungen wohl kaum noch) von der Bundesnetzagentur verfolgt und mit Bußgeldern geahndet.
Der Straftatbestand lautet "Betrug", indem nämlich in einem solchen ColdCall der falsche Eindruck erweckt wird, man würde schon an irgendwas teilnehmen oder zu irgendwas vertraglich verpflichtet sein und man würde jetzt das einmalige und zeitlich befristete Angebot erhalten, gegen Zahlung einer "Kaution" aus der Sache rauszukommen. Dieser sog. Negativverkauf ist als Betrug (-sversuch) strafbar und wird auf Antrag auch verfolgt.
Die Polizei kann da jede detaillierte Zeugenaussage sicher gut gebrauchen. Wenn nämlich die Masche deutlich wird (und da reicht wohl auch die bloße Aussage eines Zeugen) hat die Polizei auch was in der Hand. Z.B.
"Am --- um --- Uhr erhielt ich von einer mir bis dahin unbekannten Firma (xy, Telefonnummer) einen Anruf. Man behauptete, ich würde an ---- teilnehmen und bot mir an....." (Von diesem Gespräch sollte der Wortlaut möglichst genau wiedergegeben werden)
"Einige Zeit später erfolgte der angekündigte Anruf eines Herrn XY der selben Firma, welcher mit mir meine Daten abgleichen wollte. In diesem Gespräch war von dem vorher gemachten Angebot nicht mehr die Rede. Es wurde hier behauptet, ICH hätte mich entschieden, an ........... teilzunhemen, was aber so gar nicht stimmt. Ich sollte dann meine Bankdaten angeben..."
Mit sowas kann die Polizei wohl dann auch was anfangen. Ich würde es einfach mal versuchen und bei der örtlichen Polizei (KriPo, Betrugsanteilung oder so) nachfragen. Schaden kann es ja wohl nicht...

Paul-KR
27.03.2012, 11:50
Da musste auf den Spruch von "zu Ihrer und unserer Sicherheit werden wir aufzeichnen" antworten "Das ist aber sehr nett von Ihnen, das beruht ja auf Gegenseitigkeit." Sollte für die Aufzeichnungsgenehmigung reichen. Da die nur von Ihrem Leitfaden ablesen und meist dumm wie Brot sind, sagen sie oft trotzdem einfach ja und machen weiter.

Man kann es ja vielleicht mit "Sie brauchen nicht aufzuzeichnen, das mach ich schon." versuchen... ;-)

blowfish
27.03.2012, 12:06
Dieser sog. Negativverkauf ist als Betrug (-sversuch) strafbar und wird auf Antrag auch verfolgt.
Das ist ja alles Schön und Gut was du da von dir gibst. Aber wem möchtest du da anzeigen? Hast du irgend eine Nummer, die auch nicht gespooft ist. Hast du eine Person die dafür verantwortlich ist?
Ich denke mal, da bekommst du die Einstellungsnachricht schneller als du die Anzeige zusammengestümmelt hast.

Paul-KR
27.03.2012, 13:00
Das ist ja alles Schön und Gut was du da von dir gibst. Aber wem möchtest du da anzeigen? Hast du irgend eine Nummer, die auch nicht gespooft ist. Hast du eine Person die dafür verantwortlich ist?
Ich denke mal, da bekommst du die Einstellungsnachricht schneller als du die Anzeige zusammengestümmelt hast.

Manche von denen zeigen beim Anruf tatsächlich die echte Rufnummer an. Und falls nicht, geht die Anzeige erstmal gegen Unbekannt. Was hast du schon groß verloren, wenn es eingestellt wird? Ein eingestelltes Verfahren ist noch lange nicht kaputt. Es kann jeder Zeit wieder aufgenommen werden, wenn sich z.B. neue Ermittlungsansätze ergeben. Irgendwann wird sich vielleicht ein Sachbearbeiter an die Masche erinnern und hat dann einen Beschuldigten an der Hand, dem er auch deinen Fall ans Bein binden kann. Es sollen auch tatsächlich schon die ersten Verfahren vor Gericht verhandelt werden, wobei Angeklagte in U-Haft sitzen. Kannst ja mal googlen: Gewerbsmäßiger Betrug, Bandenmäßiger Betrug... Da geht es nicht mehr nur um Bußgelder oder Bewährungsstrafen. ;-)