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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : St. Benno-Verlag aus Leipzig lässt vom Küchentisch ColdCalls durchführen



Grisu_LZ22
18.08.2016, 12:57
Ich hatte heute die Telefonnummer 03592 33921 in meiner Anrufliste. Da diese Nummer mir unbekannt ist, habe ich diese mit unterdrückter Rufnummer zurückgerufen. Gemeldet hat sich eine Frau K. die, mit salbungsvoller Stimme, mir die Zeitschrift "Tag des Herrn" des katholischen St. Benno Verlags mit Sitz in Leipzig www.st-benno.de aufs Auge drücken wollte.

Auf meine Frage woher sie denn die Telefonnummer und meinen Namen hätte (konnte sie gleich zuordnen, sie wusste auch meinen Wohnort) kam die Antwort ich sei Kunde bei diesem Verlag (was nicht der Fall ist). Auf eine etwas schärfere Rückfrage wie sie denn auf die Idee käme, geschweige denn eine telefonische Werbeeinverständiserklärung herleiten würde kam die Antwort dass sie das gerade nicht sagen könne. Auf meine Frage sie sei doch sicher Angestellte des Verlages und habe dann auch einen Computer, den man mal befragen könne kam die Info "Äh - nein - Computer habe ich gerade nicht." Ich war eine Milisekunde sprachlos und stellte dann folgende unverfängliche Frage: "Sie telefonieren wohl von zu Hause vom Küchentisch." Antwort war ein hörbar strahlendes "Ja". Ich habe der Tante dann noch einige Takte von Wegen Datenschutz, Werbeeinverständis etc. erzählt worauf diese immer ruhiger wurde. Am Ende des telefonischen Einlaufs habe ich dann eine umgehende Auskunft nach BDSG gefordert. Schriftlich bei mir einzureichen innerhalb von 8 Tagen.

Im Anschluss daran habe ich diesen kirchlichen Verlag mal angeklingelt und dort ein paar Fragen gestellt. Zu den von der Telefonzentrale angekündigten "Kompetenten Kollegen" konnte ich nicht durchgestellt werden, da diese vorgeblich in der Mittagspause seien.

Auch dort habe ich eine umfassende Auskunft nach BDSG gefordert, ausserdem eine Information wem meine Daten weitergegeben wurden, wie sichergestellt ist, dass diese Daten entsprechend nach datenschutzrechtlichen Vorgaben gegen Missbrauch geschützt sind (ich stelle mir gerade in der Papiertonne von Frau K. eine ausgedruckte Excel-Liste mit Namen, Telefonnummern und Adressen vor), woher dieser Verlag das Recht nimmt, meine Daten an Dritte (Privatpersonen) zu geben, damit diese von zu Hause aus die Leute belästigen können etc. Auch hier ist ein Limit on 8 Tagen gesetzt um die Fragen ausreichend zu beantworten.

Mal sehen, ob sich die wirklich bei mir schriftlich melden oder nicht und vor allem, was dann in der Antwort aufgeführt wird. Auf alle Fälle geht das ganze jetzt noch an den Landesdatenschutzbeauftragten des Freistaates Sachsen und natürlich an die heroisch sich ob der Telefonterrorflut einsetzenden Helden der Bundesnetzagentur.

to be continued....

Mittwoch
18.08.2016, 15:17
Deine Gesprächspartnerin ist freie Unternehmerin, die am Affiliate-Modell des Verlags St. Benno teilnimmt und die Daten irrtümlich verwendet hat. Ist ganz sicher™ nur ein bedauerlicher Einzelfall. :clown:

Laut Verlagswebseite wird die beworbene Wochenzeitung von den Bischöfen von Berlin, Dresden-Meißen, Erfurt, Görlitz und Magdeburg herausgegeben. Ob die Diözesen von den Werbepraktiken wissen?

Schönen Gruß
Mittwoch

Grisu_LZ22
24.08.2016, 12:41
Heute kam eine Stellungnahme der Geschäftsführung. Der Verlag geht davon aus, dass es sich nach deren Gesichtspunkten nicht um unerlaubte Werbeanrufe handelt.
Folgende Gründe werden angeführt:
...gem. Herausgeververtrg sind die zuständigen Ortsordinarien der Gesellschafterdiözesen Herausgeber diese Zeitschrift. Dies mache deutlich, dass es sich nicht um eine, unternehmerischen Zielen folgende absatz-, umsatz- und erlösorientierte Vermarktung handle, vielmer handle es sich um kirchliche, pastorale und spirituelle Inhalte, an deren Kommunikation die Herausgeberbischöfe ein vitales Interesse von Amtswegen hätten.

Mit den Telefongesprächen würden die Angerufenen ausschließlich zum Lesen der Zeittschrift angehalten (Dies stimmt so nicht in dem mit mir geführten Telefonat hieß es ausdrücklich: "Sind Sie am Bezug... interessiert-> somit in meinen Augen ein Abo), andere Titel oder Produkte würden nicht angeboten.

Bei den Angerufenen handele es sich ausschließlich um Mitglieder der Katholischen Kirche auf dem Gebiet der Herausgeberbischöfe. Die Bereitstellung der Daten erfolge nach der Kirchlichen Datenschutzordnung im Aufgtrag der Herausgeberbischöfe....Die Anrufe und der anschließende Bezug sind somit Manahmen mittelbarer Verkündigung und Information im kirchlichen Interesse

Dann folgt noch ein Absatz, dass Jahresüberschüsse aus der Zeitung auf Folgejahre vorgetragen würden bzw. bei negativen Ergebnissen die Verlustübernahme durch die Herausgeberbischöfe erfolge.

Was fehlt ist die Auskunft nach Bundesdatenschutzgesetz. Ich habe heute nochmals nachtelefoniert. Nachdem der Absender des Briefes laut Sekretariat "den ganzen Tag verhindert" sei, hat er doch kurz danach zurückgerufen.

Er begründet auch, dass die Anrufe durch das Kirchliche Datenschutzrecht gedeckt seien. Das Bundesdatenschutzgesetz oder Werbeeinverständniserklärungen seien somit nicht notwendig.
Die Anruferin habe nicht privat angerufen, vielmehr - und dies würde auch in dem Brief an mich stehen (den Absatz habe ich auch nach dem 10. Durchlesen nicht gefunden) - Arbeite die Person von zu Hause aus im Auftrag des Verlages. Aus Datenschutzgründen würden die Daten auch nicht per EDV, sondern in Listenform an die telefonierenden Personen gegeben. Die Ausgabe und der RÜcklauf der abtelefonierten Listen würden angeblich im Verlag überwacht, wobei man mir nicht sagen kann, wann die Liste mit meinem Datensatz wieder zurück käme.

Ich habe nochmals ausdrücklich die mir zustehende Auskunft nach BDSG gefordert.

Das Schreiben des Verlages werde ich auch noch an den Datenschutzbeauftragten des Landes Sachsens zur Kenntnis weitergeben.

Das an mich gerichtete Schreiben ging in Kopie an das Kath. Büro Sachsen-Anhalt sowie den Datenschutzbeauftragten des Verlages. Muss ich jetzt Angst haben, dass Rom eine Banbulle sendet?

homer
24.08.2016, 12:55
Ich habe nochmals ausdrücklich die mir zustehende Auskunft nach BDSG gefordert.

Das wird wohl nix werden:


Gilt das Bundesdatenschutzgesetz auch für die Katholische Kirche?
Nein. Die Katholische Kirche gehört in Deutschland zu den staatlich anerkannten Religionsgesellschaften. Ihr steht daher nach Art. 137 Abs. 3 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) in Verbindung mit Art. 140 des Grundgesetzes ein verfassungsmäßig garantiertes Selbstverwaltungsrecht zu.

aus https://www.datenschutz-kirche.de/faq01

Spätestens hier würde ich aus dieser Sekte austreten.

Aber du kannst denen ja mal ihr ihre eigenen Daten"schutz"regeln (https://www.datenschutz-kirche.de/faq06) um die Ohren hauen.

Grisu_LZ22
24.08.2016, 12:59
Der Verlag ist eine GmbH. Somit ist dieser Verlage in meinen Augen nix anderes wie eine Gewinn-Bimmel-Butzen-GmbH. Es hat ja auch nicht die Kirche, das Ordinariat, das Bistum oder die zuständige Pfarrei angerufen, nein es hat eine Angestellte eines Verlags, Eingetragen im HRB Leipzig, angerufen. In deren Geschäftsbezeichung findet sich auch kein Hinweis, dass der Verlag unter den Flügeln unseres obersten Kirchenherrn in Rom fliegen würde.

Wenn schon ein Interesse daran besteht, mein Seelenheil durch Wochenzeitschriften aufzubessern, dann hätte mich ja auch die zuständige Pfarrei direkt anrufen können.

RA Meier-Bading
24.08.2016, 13:29
unter den Flügeln unseres obersten Kirchenherrn in Rom

Lese ich da eine Geschäftsbeziehung zum Mutterkonzern heraus?

Das wäre allerdings für Telefonwerbung völlig egal. Sie ist nur erlaubt, wenn es ein ausdrückliches und vorheriges Einverständnis gab. Werbung ist es immer dann, wenn der Anruf der Absatzförderung diente.

Investi
24.08.2016, 14:03
Das wird wohl nix werden:


Gilt das Bundesdatenschutzgesetz auch für die Katholische Kirche?
Nein. Die Katholische Kirche gehört in Deutschland zu den staatlich anerkannten Religionsgesellschaften. Ihr steht daher nach Art. 137 Abs. 3 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) in Verbindung mit Art. 140 des Grundgesetzes ein verfassungsmäßig garantiertes Selbstverwaltungsrecht zu.

aus https://www.datenschutz-kirche.de/faq01

Wir haben aber doch in Europa das Bestimmungslandprinzip. Demnach gilt bei Werbeanrufen grundsätzlich das Recht jenes Landes, in dem der Angerufene seinen Aufenthalt hat.

Die kath./ev./sonstige Kirche kann gerne jedermann in ihrem eigenen Hoheitsgebiet anrufen. Aber in DE hat sie sich genau so an die Regeln zu halten, wie alle anderen auch. Dabei ist es vollkommen unerheblich, wer der Herausgeber dieser "Literatur" ist. Angerufen wurde durch einen Verlag, der seine Produkte vertreiben will. Ob und dass die Herren Bischöfe Gesellschafter und/oder Auftraggeber des Verlags sind, dürfte kaum ins Gewicht fallen.

Unser Urteils-WIKI hat hierzu auch eine entsprechende OLG-Entscheidung vorrätig:

OLG Köln 6 U 69/12, (betr.: Werbeanrufe durch wohltätige Institutionen) vom 07.12.2012: Der Zweck heiligt nicht die Mittel: Auch wohltätige und aus religiösen Motiven agierenden Einrichtungen müssen Werbeanrufe ohne vorherige Einwilligung unterlassen. Das UWG ist auf solche Anrufe gleichermaßen anwendbar.

Volltext bei http://www.damm-legal.de (http://www.damm-legal.de/olg-koeln-auch-wohltaetigen-und-aus-religioesen-motiven-agierenden-einrichtungen-sind-werbeanrufe-ohne-vorherige-einwilligung-cold-calling-verboten-hausnotrufdienst)

homer
24.08.2016, 14:13
Wir haben aber doch in Europa das Bestimmungslandprinzip. Demnach gilt bei Werbeanrufen grundsätzlich das Recht jenes Landes, in dem der Angerufene seinen Aufenthalt hat.

Ich hab mich drauf bezogen, dass die Anfrage zu den persönlichen Daten nicht nach BDSG, sondern nach KDO (https://de.wikipedia.org/wiki/Anordnung_%C3%BCber_den_kirchlichen_Datenschutz) gestellt werden muss.

Das die mit der telefonischen Belästigung nicht durchkommen will ich ja wohl schwer hoffen.

Sastef
24.08.2016, 14:20
Das wird wohl nix werdenVon vorn bis hinten Unfug. Zum einen ist Begünstigter eine Verlags-GmbH, nicht eine Kirche selbst. Ob die der Kirche gehört, ist egal. Wenn sie mit einer GmbH am Markt tätig werden, müssen sie auch die allgemeinen Regeln beachten, wie jeder andere Marktteilnehmer auch. Auch das BDSG dürfte gelten, denn die Sonderregeln sollten nur innerhalb der Kirche gelten, wohl kaum in einer Beziehung nach außen. Zumal sie sich ja eines weiteren Dritten, nämlich des externen Callcenters bedienen.

@Investi: Um eine anderes Land geht es ja wohl eh nicht. Bestimmungslandprinzip sollte hier nicht greifen, auch wenn der Papst natürlich in Rom hockt.

homer
24.08.2016, 14:33
Von vorn bis hinten Unfug. Zum einen ist Begünstigter eine Verlags-GmbH, nicht eine Kirche selbst. Ob die der Kirche gehört, ist egal.

Liest sich aber im Wikipedia-Artikel nicht so:

Der Anwendungsbereich der KDO erstreckt sich nicht nur auf den Bereich der sogenannten verfassten Kirche, sondern auch auf den Deutschen Caritasverband, die Diözesan-Caritasverbände, ihre Untergliederungen und Fachverbände und alle kirchlichen Stiftungen, Körperschaften, Anstalten, Einrichtungen und Werke unabhängig von ihrer Rechtsform.
Klingt so, als ob da alles drunter fällt, was diese Sekte mal angeleckt hat.

Erftwalk
24.08.2016, 18:19
Die KDO bestimmt, wie sich das Arbeitnehmerverhältnis zum kirchlichen Arbeitgeber darstellt. Im Klartext, wie sich Arbeitnehmer zu verhalten haben. Ehe, Wiederverheiratung Geschiedener als Beispiel.

Grisu_LZ22
24.08.2016, 22:02
Lese ich da eine Geschäftsbeziehung zum Mutterkonzern heraus?.
Nein, das "unseres" ist auf die Gläubigen der Katholischen Kirche bezogen. Diese werden ja angerufen.

Ralgert
25.08.2016, 10:35
Grisu, damit hast du ja die Geschaeftsbeziehung ^^



Wenn sie mit einer GmbH am Markt tätig werden, müssen sie auch die allgemeinen Regeln beachten, wie jeder andere Marktteilnehmer auch.
Leider nicht. Gerade bei Gewerkschaften wuerdest du mit dieser Forderung offen Tueren eintreten ;-)

Anordnung_über_den_kirchlichen_Datenschutz
Die Anordnung über den kirchlichen Datenschutz (KDO) ist die für den Bereich der römisch-katholischen Kirche in Deutschland geltende Datenschutz-Regelung.
Das heisst fuer mich, sobald die aus dem Bereich heraustreten, indem sie jemanden ohne Zugehoerigkeit belaestigen, ist die KDO, und das gesamte Kirchenrecht, nicht mehr zustaendig.



Ich bin eh der Meinung, dass das die Minderheitenbevorzugung der Kirchen in ein Minderheitenschutz umgewandelt werden soll.

Sastef
25.08.2016, 12:29
Das heisst fuer mich, sobald die aus dem Bereich heraustreten, indem sie jemanden ohne Zugehoerigkeit belaestigen, ist die KDO, und das gesamte Kirchenrecht, nicht mehr zustaendig.Ja, natürlich, das auf jeden Fall.

Grisu_LZ22
25.08.2016, 14:58
Ich habe mir den Spass gemacht und die KDO für das Bistum Magdeburg, das wohl zuständig sei, mal durchgelesen. Hier steht zwar viel von Datenschutz und wieso und weshalb und warum, aber nix, dass die einfach so anrufen dürfen. Und die Informationen des Bistums an den Mann zu bringen ist jetzt gerade nicht unbedingt überlebensnotwendig für einen.

Hallelujah - manchmal glaube ich, dass in der Katholischen Kirche zu viel Weihrauch geschnupft wird....

Der Datenschutzbeauftragte des Freistaates Sachsen sieht sich nicht in der Zuständigkeit, ich soll mich an das (zuständige) Bistum wenden, er würde aber auch so nett sein die Angelegenheit weiterzuleiten, sofern ich ihn dazu auffordern würde.

Ralgert
25.08.2016, 15:27
Stehen die Sekten nicht untereinander im Wettbewerb? Da koennte man auch die Wettbewerbzentrale um Stellung bitten.

RA Meier-Bading
25.08.2016, 16:01
Hallelujah - manchmal glaube ich, dass in der Katholischen Kirche zu viel Weihrauch geschnupft wird....
[...]
Der Datenschutzbeauftragte des Freistaates Sachsen sieht sich nicht in der Zuständigkeit

Da scheint aber der Datenschutzbeauftragte zu viel geraucht oder geschnupft zu haben - möglicherweise Weihrauch, möglicherweise auch was anderes, man weiß es nicht. Wenn eine in Sachsen gemeldete GmbH mit personenbezogenen Daten rumaast, dann ist der natürlich zuständig. Du solltest ihn also vielmehr dazu auffordern, und zwar unter Fristsetzung, einen rechtsmittelfähigen BescheID: [ID filtered]


Lese ich da eine Geschäftsbeziehung zum Mutterkonzern heraus?.
Oh, Anführungszeichen/Ironietags vergessen.

Grisu_LZ22
26.08.2016, 10:21
...Wenn eine in Sachsen gemeldete GmbH mit personenbezogenen Daten rumaast, dann ist der natürlich zuständig. Du solltest ihn also vielmehr dazu auffordern, und zwar unter Fristsetzung, einen rechtsmittelfähigen BescheID: [ID filtered]

@RA Meier-Bading: [x] done und wie vom Datenschutzbeauftragten angeboten habe ich ihn beauftragt zusätzlich die Angelegenheit an das Bistum, Staabsstelle Recht, weiterzugeben.

So ganz geschlagen gebe ich mich nicht. Meine Daten liegen ja schließlich in Listenform ausgedruckt in den privaten Räumen einer Angestellten des Verlags. Ob die KDO so weit reicht, wage ich offen zu bezweifeln. Auch ist der Verlag, laut eines Telefonats des Geschäftsführers mit mir, derzeit nicht in der Lage, die Liste umgehend zurückzurufen und diese durch eine Liste ohne meine Daten zu ersetzen. Auch ein Rücklaufdatum der "abgearbeiteten" Liste kann mir bis dato nicht benannt werden.

Auf Grund des Satzes "Die Anrufe und der anschließende Bezug sind somit Maßahmen mittelbarer Verkündigung und Information im kirchlichen Interesse" steigen wohl dann die Zeugen Jehovas von Türdrücken auf Telefonbimmeln um. Bei Einsatz eines indischen CallCenters lautet dann die Frage "Wolle Wachturm kaufe?" :clown:

Grisu_LZ22
26.08.2016, 12:51
Und weiter geht der Spaß. Jetzt kam per Post vom Verlag die geforderte Auskunft nach BDSG (obwohl der Verlag ja unter der KDO segelt - welches Recht findet denn nun Anwendung?).
Gespeichert sind Vorname, Familienname, Anschrift, Pfarreizugehörigkeit und die Telefonnummer, unter der ich angerufen wurde. Die Herkunft kam durch das Bischöfliche Ordinariat, Bistum XY, Abt. Meldewesen und Statistik.
Dann der Hinweis dass die Speicherung gem. der KDO erfolgen. Und jetzt wird es interessant:

Meine Daten wurden zwecks Anreicherung der Telefonnummer an die Deutsche Post Direkt GmbH, Junkersring 57, 53844 Troisdorf übergeben, von dort erfolgte angeblich die Zuspielung der Telefonnummern, sofern diese in öffentlichen Verzeichnissen registriert sind.

Ähh... ich bin nicht unter der gespeicherten Telefonnummer registriert. Dieser Anschluss lautet auf meinen Schwiegervater. Also kann die Deutsche Post meine Telefonnummer nicht zuspielen, da ich als Anschlussinhaber nicht gelistet bin und der Rest der Familie ist bei der lokalen kirchlichen Konkurrenz eingetragen. Ist das jetzt eine kleine Falle, in die die getappt sind?

Dann wurden die Daten am 5. August in Listenform an die Mitarbeiterin, Fr. K., gegeben, die im Homeoffice tätig ist. Anfang kommender Woche würden die Listen zurückerwartet.

Der Zweck der Speicherung und Datennutzung wären im vorgegangenen Schreiben schon erläutert, meine Daten seien nun beim Verlag gelöscht und die Listen würden nach Rücklauf geschreddert werden.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch § 1 (3) der KDO des Bistum Magdeburg:

Soweit besondere kirchliche oder staatliche Rechtsvorschriften auf personenbezogene Daten einschließlich deren Veröffentlichung anzuwenden sind, gehen sie den Vorschriften dieser Anordnung vor
Quelle: http://www.bistum-magdeburg.de/upload/amtsblatt/2014/Mai/Amtsblatt_Bistum_Magdeburg_Anl._79.pdf

homer
26.08.2016, 12:57
die Listen würden nach Rücklauf geschreddert werden.

Darüber schicken die dir sicher gerne eine Kopie der Bescheinigung über die datenschutzgerechte Vernichtung der Listen?

Grisu_LZ22
26.08.2016, 12:59
Darüber schicken die dir sicher gerne eine Kopie der Bescheinigung über die datenschutzgerechte Vernichtung der Listen?
Habe ich im Telefonat gefordert, mal sehen ob die kommt, wenn nicht hake ich nach.

Grisu_LZ22
31.08.2016, 14:38
Und weiter. Heute der nächste Schriebs vom Datenschutzbeauftragten:

Mein Vorgang wurde wunschgemäß an das Bischöfliche Ordinariat weitergeleitet.

Da ihm aus bereits mtgeteilten Gründen eine Kontrolle des streitgegenständlichen Vorgangs von Verfassungs wegen entzogen sei und er daher auch nicht berechtigt sei, in der Angelegenheit zu ermitteln, würde der Vorgang hiermit abgeschlossen.

RA Meier-Bading
31.08.2016, 19:39
Dann lege Widerspruch gegen die Entscheidung ein, die Ermittlungen einzustellen. Er ist zuständig.

Grisu_LZ22
01.09.2016, 17:36
Hmm... da müsste ich wohl über einen Anwalt gehen. ich will mal abwarten, was das Bischöfliche Ordinariat raushustet. Er schreibt
Da mir... eine Kontrolle des streitgegenständlichen Vorgangs von Verfassungs wegen entzogen ist und ich daher auch nicht berechtigt bin, in der Angelegenheit tätig zu werden, schließe ich den Vorgang hiermit ab.
Ich sehe mal zu, was das Bischöfliche Ordinariat mir verkündigen wird. Irgendjemand muss hier zuständig sein, zumal entweder die Angaben nach §34 Bundesdatenschutzgesetz nicht stimmig sind (die angerufene Nummer ist nicht auf meinen Namen registriert, also konnte die Deutsche Post Direkt meinem Namen nicht der Nummer zuordnen oder die hatten irgendwoher die Nummer schon, warum wurde dann trotztdem der Datensatz an die Deutsche Post Direkt gegeben) oder die ihre eigenen Regeln nicht kennen. Sie haben nämlich auf dem Anschluss einer Person, die nicht der Katholischen Kirche angehört, angerufen und mich daher nur zufällig erreicht. Das wissen die aber noch nicht, es sei denn, hier würde einer von denen mitlesen.

Grisu_LZ22
04.09.2016, 08:59
Die Wege des Herrn Datenschutzes sind unergründlich.

Es kam nun ein Brief vom dem vom Datenschutzbeauftragten des Freistaates Sachsen als zuständig bezeichneten Bistums. Beim Öffnen des Briefes ertönten Spährenklänge, Weihrauchduft lag in der Luft.

Moment - Die sind ja eigentlich nicht zuständig, daher wurde der gesamte Vorgang an die Datenschutzstelle des Diözesandatenschutzbeauftragten der ostdeutschen Bistümer weitergeleitet.


Hat ein bisschen was von der Adressvertickermentalität. Niemand ist bisher so richtig zuständig. Wenigstens wird die Angelegenheit weitergegeben, d.h. arbeiten lassen statt selber arbeiten.

RA Meier-Bading
05.09.2016, 09:19
Hmm... da müsste ich wohl über einen Anwalt gehen.

Nein, Du legst einfach Widerspruch ein.

Sastef
05.09.2016, 10:28
Komm, die sind sich doch alle einig. Klage würde zeigen, wer zuständig ist.

Grisu_LZ22
15.09.2016, 17:45
*Nachtret*
Nachdem die Datenschutzstelle des Diözesanbeauftragten der ostdeutschen Bistümer es innerhalb von 2 Wochen nicht einmal geschafft hat eine Eingangsbestätigung zu senden muss ich wohl nochmals nachtreten.

Grisu_LZ22
16.11.2016, 15:53
Soo.. seit ein paar Tagen ist die langersehnte Antwort des Datenschutzbeauftragten da.

Er schreibt Eingangs
Die vom Benno-Verlag durchgeführte Telefonwerbung wurde von mir beanstandet. Der Benno-Verlag wurde aufgefordert, in Zukunft keine Personen zu Werbezwecken anzurufen, die eine entsprechende Einwilligung zu derartigen Anrufen nicht erteilt haben.
So weit so schön. Im nächsten Absatz schreibt er:
Die Medestellen der Bistümer in deren Eigentum der Benno-Verlag steht, haben dem Verlag Daten zugeleitet, damit dieser eine Werbeaktion für dessen Publikation "Tag des Herrn" vornehmen kann.... Die Bistümer dürfen die beihnen vohrandenen Mededaten nutzen, um ihre Kirchenmitglieder auf eine solche Publikation hinzuweisen, Das Bistum darf eine solche Werbeaktion auch von anderen im WEge der sog. Auftragsdatenverarbeitung gem. §8 KDO durchführen lassen.
Dies ist für mich ein Widerspruch zu der eingangs aufgeführten Aussage.

Da mir die Auskunft so nicht reicht, habe ich heute einen netten Fragenkatalog zusammengestellt und um weitere Auskünfte gebeten. Z.B.
- wie wurden die in Listenform vorliegenden Daten durch die Mitarbeiterin in deren Privaträumen nach datnschutzrechlichen Grundlagen gesichert aufbewahrt und vor unbefugtem Zugriff oder Einsichtnahme Dritter geschützt
- wie konnte eine Deutsche Post meinem Namen der angerufenen Telefonnummer zuordnen, obwohl diese nicht auf meinen Namen registriert ist. Hier hätte ich gerne Auskünft über das angebl. öffentliche Verzeichnis, mit dem die Zuordnung erfolgte
- wie der Benno-Verlag sicherstellt, dass er mich nicht mehr mit unerlaubten Werbeanrufen belästigt, da ja meine Daten dort gelöscht sind (was ich nicht gefordert habe)...

To be continued :)