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Thema: Warum melden sich Menschen (überwiegend Senioren) für unseriöse Kaffeefahrten an?

  1. #1
    Ritter der Tafelrunde Avatar von Arthur
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    Standard Warum melden sich Menschen (überwiegend Senioren) für unseriöse Kaffeefahrten an?

    Was nur so frustrierend ist: Versuch mal die Zielgruppe ( fast ausschließlich ältere Mitbürger)
    vor Antritt der Fahrt davon zu überzeugen, dass sie abgezockt werden sollen:
    Sie glauben es dir nicht.

    Die Lösung des Problems liegt nicht in mangelnder Aufklärung. Zum einen wird die Zielgruppe meist
    schon gar nicht erreicht und selbst wenn, wirkt sie in aller Regel nicht.

    Deutsche Senioren sind nicht seniler als die in andern Ländern. Also sind es die "günstigen"
    Randbedingungen, die es den Kaffeefahrtenabzockern so leicht machen in Deutschland.

    Hier tut sich aber politisch überhaupt nichts.

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    Geändert von wahwah (04.09.2010 um 00:39 Uhr) Grund: Thematisch verschoben

  2. #2
    Hyperparasit Avatar von wahwah
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    Dazu passend gab es gerade in der Heilbronner Stimme einen Artikel, welcher die "Beratungsresistenz" vieler Rentner recht gut umschreibt.


    stimme.de Heilbronn - Phänomen Kaffeefahrten

    Und obwohl er weder den angepriesenen 1500-Euro-Gewinn noch zugesagten kostenlosen Räucherfisch, Gutsherrenschinken, Kräuterlikör und Holunderwein nach Hause trug, sagt der Frührentner: "Es war ein schöner Tag."
    Für einen Flachbildfernseher ist er bereit, 100 Euro zu zahlen. Die Zusage, dass die Geräte am nächsten Tag sogar gratis an die ausgefüllten Adressen geliefert würden, hat er noch im Ohr. Bis heute kam kein Fernseher bei ihm an.
    Der vermeintliche Schnäppchenfaktor spiele eine große Rolle; aber auch, dass ältere Leute "mal etwas anderes" erleben wollen und die unangenehme Verkaufsveranstaltung in Kauf nähmen. Gegenüber den professionellen Verkäufern brechen Senioren oft ihre Vorsätze, weiß Rudolf Eyer, Leiter Prävention der Heilbronner Polizei. "Viele nehmen sich vor, vorsichtig zu agieren, und unterliegen dem Gruppenzwang, etwas zu kaufen." Eyer: "Da setzt die Vernunft aus."
    Sie werden stundenlang interniert, indoktriniert, belogen und abgezockt, sind aber dennoch zufrieden "mal rausgekommen zu sein"!

    Teilweise kann man sich wirklich nur noch an den Kopf fassen.


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    Geändert von wahwah (04.09.2010 um 00:39 Uhr) Grund: Thematisch verschoben
    Ignorantia non est argumentum

  3. #3
    Mittwoch
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    Zitat Zitat von wahwah Beitrag anzeigen
    Sie werden stundenlang interniert, indoktriniert, belogen und abgezockt, sind aber dennoch zufrieden "mal rausgekommen zu sein"!

    Teilweise kann man sich wirklich nur noch an den Kopf fassen.
    Ja, kann man, aber was bringt es?
    In meiner Kirchengemeinde begegnet man diesem Umstand mit regelmäßigen, bezuschussten Seniorenfahrten, die über das kirchliche Mitteilungsblatt und per direkter Ansprache# beworben werden. Der Teilnahmebeitrag liegt für eine Tagesfahrt bei 10 bis 20 Euro, je nach Ziel. Die Resonanz ist sehr gut.

    Keine Internierung, kein Belügen, keine Abzocke. Man mag lediglich Indoktrination vermuten, je nach eigenem Atheismus oder Agnostizismus. Ich behaute allerdings, dass das hier überhaupt nicht mehr erforderlich ist.

    Schönen Gruß
    Mittwoch
    ---
    #Um hier allen Ironikern von vornherein das Wasser abzugraben : Das übernehmen meist die PfarrerInnen oder die Ehrenamtlichen vom Besuchsdienst, die allesamt mehr oder weniger regelmäßig bei den Angesprochenen zu Gast sind und völlig zu Recht auch deren Vertrauen genießen.


    Modedit: Beitrag thematisch in neues Thema verschoben
    Geändert von wahwah (04.09.2010 um 00:39 Uhr) Grund: Thematisch verschoben

  4. #4
    Senior Mitglied Avatar von SpamKampf
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    Standard Warum melden sich Menschen (überwiegend Senioren) für unseriöse Kaffeefahrten an?

    Nachdem wir uns ausgiebig in anderen Threads mit folgenden Themen befasst haben:

    Warum Busunternehmen für die Kaffeefahrtenmafia fahren
    http://www.antispam-ev.de/forum/showthread.php?22863-Warum-Busunternehmen-für-die-Kaffeefahrtenmafia-fahren...&daysprune=365

    Warum Gastwirte für die Kaffeefahrtenmafia arbeiten
    http://www.antispam-ev.de/forum/showthread.php?23315-Warum-Gastwirte-für-die-Kaffeefahrtenmafia-arbeiten&daysprune=365

    möchte ich diesen neuen Thread aus aktuellem Anlass starten.

    Trotz der vielen Warnmeldungen im Internet, in der Presse, im Fernsehen, usw., finden unseriöse Kaffeefahrten in Deutschland weiterhin großen Anklang bei den Empfängern dieser falschen Gewinnmitteilungen, die nur zu einer Abzockveranstaltung locken. Bei diesen Einladungen gibt es natürlich nur einen Gewinner und dieser ist der Veranstalter selbst. Die Teilnehmer an solchen Fahrten bekommen das versprochene Geld nicht ausbezahlt, sondern sollen stattdessen überteuerte Produkte oder Reisen kaufen.

    Also, warum melden sich im Jahr 2010 noch Menschen trotz der vielen Warnungen für solche unseriösen Fahrten an? Sicherlich gibt es den einen oder anderen der eine solche Gewinnmiteilung zum ersten Mal erhält und wirklich daran glaubt, dass er etwas gewonnen hat. Andererseits gibt es offensichtlich Wiederholungsteilnehmer, welche sich aus ganz anderen Gründen anmelden und sich regelmäßig abzocken lassen. Dieser neue Thread sollte die Hintergründe für das Verhalten der Opfer sammeln und diesbezügliche Diskussionen an einer zentralen Stelle ermöglichen.

    Ich fange mit einem Artikel der Rhein-Zeitung vom 23.08.2010 an:

    http://www.rhein-zeitung.de/regionales_artikel,-Auf-Kaffeefahrt-ins-Ungewisse-_arid,126496_arpage,3.html#articletop

    Für eine 88-Jährige aus Urbar (Kreis Mayen-Koblenz) ist es bereits die 164. Kaffeefahrt. Für sie sind es die sozialen Kontakte, die ihr wichtig sind. "Sonst komme ich ja gar nicht mehr raus", sagt sie. Eine Teilnehmerin sagt: "Die Verkäufer sind immer so witzig."
    Also, da haben wir zum Start des Threads schon mal zwei „gute“ Gründe für die Wiederholungsopfer: es sind die sozialen Kontakte und die witzigen Verkäufer.

    Weitere Diskussionen mit Zitaten zur Erklärung der Teilnahmebereitschaft vieler Menschen an diesen Abzockfahrten sind in diesem Thread willkommen.

    Gruß von SpamKampf
    Geändert von wahwah (04.09.2010 um 00:43 Uhr) Grund: Initialpost des Themas - Vorposts thematisch hierher verschoben - stehen aufgrund des Timestamps vor diesem Post

  5. #5
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    Bei uns hier werden auch einige Ausflüge und Kaffeekränzchen über die Kirchen
    und Vereinen organisiert. Die werden auch fleissig genutzt.
    Wenn man aber die alten Leutchen vor den betrügerischen Ausflügen
    warnt, glauben viele das wirklich nicht.
    Sie können sich einfach nicht vorstellen, dass in heutiger Zeit Menschen
    geben soll, die alte Leute einfach so über den Tisch ziehen. Da heißt es manchmal:
    "So was hat es früher auch nicht gegeben, da gab es noch Respekt untereinander."
    Viele glauben noch fest an das Gute im Menschen. Leider.
    Meine heißgeliebte Omi auch. Aber nach dem ersten Reinfall war der Glaube dahin.
    Damals waren die Decken aber noch nicht so unverschämt teuer wie heute, aber wertlos.

    Der Gesetzgeber hat die Verpflichtung, diese Leute vor solchen Betrügern zu schützen.
    Viele Leutchen in diesem Alter kommen zwar im Alltag ganz gut zurecht.
    Aber für solche Betrüger sind sie leider teilweise schutzlos wie arme Schäfchen.
    Nicht jede/r hat dafür jemand in der Verwandtschaft (Kinder, Enkel) die sich da auskennen
    und eingreifen. Zumal sie sich auch oft schämen, so viel Geld ausgegeben zu haben.
    Es kann ja nicht sein, dass diese Leute, um sie zu schützen, unter Vormundschaft gestellt
    werden müssen, zumindest was den finanziellen Bereich betrifft, nur weil der Gesetzgeber
    zu latschig ist, hier seine Arbeit richtig auszuführen, für die er gewählt wurde.
    Und für die er einen Eid abgelegt hat. Heißt das nicht mehr: Schaden vom Volk abzuwehren?
    Oder so ähnlich?
    Kenne den Text leider nicht mehr genau.
    Viele Grüße

  6. #6
    Mitglied Avatar von heinrichh
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    hmmmmm: zum Satz "hat es früher auch nicht gegeben" fällt mir noch dies ein: in den 60ern und 70ern waren Kaffeefahrten durchaus nicht unbeliebt, und aus meiner Großelterngeneration kenne ich noch einige begeisterte Teilnehmer. Den Bus fuhr Firma Müllermeierschulze; den Chef Müllermeierschulze kannte man persönlich vom Einkaufen, vom Schützenverein/Gesangsverein/Kirchengemeinde.
    Es gab tatsächlich lohnende Ausflugsziele, und wer an der Verkaufsveranstaltung nicht teilnehmen wollte, setzte sich eben in ein Cafe am See/in der romantischen Altstadt ...
    klar wurde da auch verkauft, aber eben auf dem Preis- und Qualitätsniveau der einschlägigen Versandhändler und nicht gleich im Bereich mehrerer tausend Euro. Soweit ich weiß, fühlte sich da niemand über den Tisch gezogen.

    Offenbar hat sich das geändert; es geht ja nicht mehr um die Weltraumbratpfanne für 19,95 oder das Putzmittel für 9,99, sondern immer gleich in die Vollen mit den beliebten Rheumadecken, Ommmmm-Magnetisierungsartikeln und so fort; unter 1000 Euro Umsatz (pro Nase) geht da nichts mehr. Und - so mein unmaßgeblicher Eindruck - mit diesen Zielvorgaben hat sich auch die Taktik der Verkäufer geändert.
    lupDujHomwIj lubuy'moH gharghmey

  7. #7
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    Stimmt, so teuer war es nicht wie heute. Waren knappe 400 DM für 2 Decken.
    Aber die Qualität war mickrig. Nicht mal die Hälfte waren die wert.

    So eine Betrugsmasche muss sich ja auch erst mal so richtig aufbauen,
    bis man genau weiß, wie weit man gehen kann.
    Viele Grüße

  8. #8
    Waldorf Avatar von siebich
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    Das Problem der Preisexplosion in dem Kaffeefahrtenbereich liegt m.E. tatsächlich daran, dass die Generation welche in den 50- und 60gern geschäftlich sehr aktiv waren und teilweise regelrechte Reichtümer angehäuft haben.
    Die Mafia hat das auch mitbekommen und sich diesem angepasst.

    Der Wunsch aus dem Haus mal wieder raus zu kommen ist in den Jahrzehnten gleich geblieben. Auch meine Oma (sie wäre heute um die 110) war regelmäßig mit dem dem Pfarrer und der halben Gemeinde auf Bustour. Dort wurde auf der Busfahrt gesungen, an einen netten Ort gefahren, Kaffee mit viel Koffein getrunken, Torten verschlungen (das durfte man ja zu Hause nicht) und es wurden keine Decken verkauft.
    Das war eine kleine heile Welt für meine Oma und die übrigen Senioren. Sie kamen raus, hatten ihren Spaß und wurden nicht abgezockt. Die Busfahrt kostete ein paar Mark.
    Hier etwas Lesestoff: Portal

    Die Familie von morgen
    (vorsicht Ironie)

  9. #9
    Mittwoch
    Gast

    Standard

    Zitat Zitat von Baldrian Beitrag anzeigen
    [...] nur weil der Gesetzgeber zu latschig ist, hier seine Arbeit richtig auszuführen, für die er gewählt wurde. Und für die er einen Eid abgelegt hat. Heißt das nicht mehr: Schaden vom Volk abzuwehren? Oder so ähnlich?
    Kenne den Text leider nicht mehr genau.
    Der Amtseid in Deutschland lautet (ohne religiöse Schlussformel, meine Hervorhebung):
    Zitat Zitat von Amtseid der BRD
    Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.
    Allerdings sind nach Artikel 38 GG Abgeordnete des Bundestages (ähnliche Wendungen finden sich auch in allen Länderverfassungen) ausschließlich ihrem Gewissen verpflichtet, was bekanntlich einen gewissen Gestaltungsspielraum dafür zulässt, wie man "Schaden abwenden" definiert.

    Schönen Gruß
    Mittwoch

    P.S.: Ja, ich weiß, es gibt noch den Fraktionszwang, in diesem spiegelt sich per Mehrheitsprinzip allerdings auch ein Gewissensbezug wider.

  10. #10
    Urgestein Avatar von Eniac
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    Zitat Zitat von heinrichh Beitrag anzeigen
    Soweit ich weiß, fühlte sich da niemand über den Tisch gezogen.
    Vielleicht wurde nicht so dreist gelogen wie heute, aber beschissen wurde auch damals schon. So berichtete die ZEIT 1971:

    Das Oberlandesgericht Frankfurt will keine Werbeveranstaltungen mehr dulden, bei denen die Teilnehmer zu niedrigen Fahrpreisen in Ausflugslokale verfrachtet und dort mit harter Verkaufswerbung traktiert werden. ... Gerade der Personenkreis, aus dem sich die Teilnehmer dieser Verkaufsfahrten in der Regel zusammensetzt, muß als besonders schutzwürdig gelten. Es handelt sich vorwiegend um Hausfrauen und ältere Leute.
    Früher waren Kaffeefahrten überwiegend unseriös, heute sind sie meist kriminell.
    Und zur Motivation der Alten schrieb das Blatt 1974:

    Früher waren die Alten als Konsumenten meist nur für zwielichtige Gestalten interessant, die auf „Kaffeefahrten" oder an Verkaufsnachmittagen Rheumadecken und vielen unnützen Tand zu manchmal überhöhten Preisen an den Mann brachten. Dies gelang um so leichter, als sie es verstanden, Unterhaltungsbedürfnisse der oft Vereinsamten verkaufspsychologisch zu befriedigen.
    Das dürfte der Schlüsselbegriff sein.


    Eniac
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